Wie das Bier nach Kenia kam – Geschichte

Aus einer anderen als meiner üblichen Quelle hier ein Teilchen der kenianischen und der Biergeschichte:

Tusker-Bier
Kenias heimliches Nationalsymbol
Viele Nationen nehmen für sich in Anspruch, das Bier erfunden zu haben. Nun ist das nicht eindeutig zu klären – ganz sicher aber hat der Osten Afrikas keine Bierbrau-Tradition. Wie es kommt dann, dass in Kenia trotzdem ein äußerst süffiges und berühmtes Gebräu produziert wird?
Von Antje Diekhans, ARD-Hörfunkstudio Nairobi
»»» zu lesen (gut und gut illustriert) und zu hören bei Tagesschau.de

Prost Neujahr allerseits!
Ihr ergebener Blogautor
Andreas

KAIRO: JUNGFRAU MARIA ERSCHEINT BEI DEN KOPTISCHEN CHRISTEN – Des chrétiens du Caire en quête d’une apparition de la Vierge Marie

Kairos Christen auf der Suche nach einer Marienerscheinung
Des chrétiens du Caire en quête d’une apparition de la Vierge Marie

LE CAIRE (AFP) – 26.12.2009 13:32
Deutsche Übersetzung vom Blogautoren Andreas Fecke,
der hiermit etwas verspätet eine etwas andere Weihnachtsgeschichte erzählt.

Drei Uhr morgens ist es in Kairo, und eine Menschenmenge von 10.000 Personen späht in den Himmel über dem Viertel Al-Warrak. Plötzlich schallen Schreie und Hurrarufe in die Nacht, ein mysteriöses Licht erstrahlt über dem Kirchturm und alle denken, sie sehen die Jungfrau Maria. Seit der Bekanntgabe der ersten Erscheinung am 10. Dezember besuchen Tausende koptischer Christen dieses Armenviertel der ägyptischen Hauptstadt, in der Hoffnung, von diesem fremdartigen Licht gesegnet zu werden. Tee- und Süßigkeitenverkäufer ziehen durch die Masse, wo sich ganze Familienverbände zusammenfinden.
Il est trois heures du matin au Caire, une foule de 10.000 personnes scrute le ciel à Al-Warrak. Subitement, cris et youyous percent la nuit, une lumière mystérieuse jaillit au-dessus du clocher de l’église et d’aucuns pensent voir la Vierge Marie.
Depuis l’annonce de la première apparition le 10 décembre, plusieurs milliers de chrétiens coptes visitent ce quartier défavorisé du sud de la capitale égyptienne, dans l’espoir d’être bénis par cette lumière étrange.
Des vendeurs de thé et de douceurs traversent la foule, où se massent des familles entières.

Kairo, Marienerscheinung, dec09, (c)AFP - Khaled Desouki
Fotos (c)AFP – Khaled Desouki: Des chrétiens coptes devant l’église d’al-Warrak, le 22 décembre 2009 au Caire
Koptische Christen vor der Kirche von Al-Warrak

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Reportage: VERBOTENER ABBAU VON DIAMANTEN IN ELFENBEINKÜSTE – Côte d’Ivoire: à Bobi, on exploite le diamant malgré l’embargo de l’ONU

Elfenbeinküste: trotz UN-Embargo Abbau von Diamanten in Bobi
Côte d’Ivoire: à Bobi, on exploite le diamant malgré l’embargo de l’ONU

BOBI (Côte d’Ivoire) (AFP) – 25.12.2009 08:10
Deutsche Übersetzung vom Blogautoren Andreas Fecke.

Im Schatten einer provisorischen Scheune überwacht Mohammed seine zehn Arbeiter, die mit Hacken und Schaufeln die rötliche Erde umgraben: in Bobi, im Nordwesten der Elfenbeinküste, gibt es trotz UN-Embargo Diamantenbergbau.
A l’ombre d’un hangar de fortune, Mohammed surveille ses dix ouvriers qui retournent à coups de pelles et de pioches la terre rougeâtre: à Bobi, dans le nord-ouest de la Côte d’Ivoire, on exploite le diamant malgré l’embargo de l’ONU.

In diesem großen Dorf im Herzen der mit Bäumen durchzogenen Savanne bildet der handwerkliche Abbau von Rohdiamanten die hauptsächliche wirtschaftliche Aktivität. Die unter offenem Himmel liegende Mine, die größte der Region, erstreckt sich über einen Kilometer. Hunderte von Leuten arbeiten dort. Obwohl es doch seit 2005 ein UN-Embargo dieser wertvollen Steine gibt, weil deren Erlöse die Ex-Rebellion der Forces Nouvelles (FN) alimentiere, die seit ihrem gescheiterten Staatsstreich 2002 gegen Präsident Laurent Gbagbo den Norden des Landes kontrollieren.
Dans ce gros village au coeur de la savane arborée, l’extraction artisanale du diamant brut est l’activité principale. La mine à ciel ouvert, la plus importante de la région, s’étend sur près d’un kilomètre. Des centaines de personnes y travaillent.
Pourtant, un embargo des Nations unies vise depuis 2005 l’exportation de la pierre précieuse, au motif qu’elle alimente l’ex-rébellion des Forces nouvelles (FN) contrôlant le nord du pays depuis son coup d’Etat manqué de 2002 contre le président Laurent Gbagbo.

Diamantensucher und Kinder, dec09, (c)AFP - Issouf Sanogo
Fotos (c)AFP: Kinder posieren vor einem Diamantensucher in Bobi, Dezember 2009.
Des enfants posent devant un chercher de diamants à Bobi, dans le nord de la Côte d’Ivoire.

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NAHRHAFTE ALGE SPIRULINA AUS DEM TSCHADSEE – La spiruline, une algue salée du lac Tchad

Die salzige Alge Spirulina, “Wunderprodukt” vom Tschadsee
La spiruline, une algue salée “produit miracle” du lac Tchad

BRANDJI, Tchad (AFP) – 21.12.2009 11:31
Deutsche Übersetzung von mir.

An den Rändern des Tschadsees ernten Dutzende Frauen Spirulina, eine salzige, leuchtend grüne Alge: ein Entwicklungsprojekt in der Region müsste zum Export dieses Produktes mit extrem hohen Nährwert führen.
“Wundermittel! Produkt des Jahrhunderts! Mit 70% Proteinen enthält es fünf bis zehn mal so viele Proteine wie Fleisch und die Vitamine A und B12…”, freut sich Mahamat Sorto, Koordinator des mit Hilfe der Welternährngsorganisation FAO und der EU entwickelten Spirulinaprojektes.
Sur les eaux autour du lac Tchad, des dizaines de femmes récoltent la spiruline, une algue salée d’un beau vert intense: un projet pour développer son exploitation dans la région devrait conduire à l’exportation de ce produit à la valeur nutritive exceptionnelle.
“Produit miracle, produit du siècle! Avec 70% de protéines, elle contient cinq à dix fois plus de protéines que la viande, des vitamines A et B12…”, s’enthousiasme Mahamat Sorto, coordonnateur du Projet spiruline, développé avec l’aide de l’Organisation des Nations unies pour l’alimentation et l’agriculture (FAO) et l’Union européenne (UE).

Tschadsee, Algenernte Spiruline, (c)AFP 12dec09
Fotos (c)AFP: Des femmes et des enfants exploitent de la spiruline sur les rives du lac Tchad à Brandji, le 12 décembre 2009
Frauen und Kinder bei der Spirulina Ausbete, in Brandji, Tschadsee, 12. Dez 2009.

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Ein Manifest für die Afrikasolidarität

—MÄRZ 2012: ACHTUNG BITTE, DER TEXT IST MEHR ALS ZWEI JAHRE ALT, HEUTE WÜRDE ICH IHN ETWAS ANDERS SCHREIBEN, VERÄNDERN MÖCHTE ICH IHN ABER NICHT. ICH STEHE DAZU. —

Mein Manifest “Afrika – solidarisch mit dem Kontinent”

«Mit (ach, so oft Stammes-) Kriegen, mit den Verwüstungen durch Aids, mit blutigen Diktatoren reduziert sich das Afrikabild in den westlichen Medien in bemerkenswerter Konstanz auf eine lange Geschichte des Horrors. Warum und wie?
….Der Horror, täglich und live
So führen einige Stunden der Ansicht des Afrikaportraits westlicher Medien auf eine ungemütliche Reise, die Sie von einer Kalamität (Aids, Hunger, Ebola….) zu einem meist (zumindest erzählt man es uns) ethnischen oder religiösen Konflikt bringt. Zwischenstation ist die Erwähnung eines x-ten Korruptionsskandals, in welcher hinterfragt werden die professionellen Kleptokraten, ersatz- oder ergänzungsweise Staatschefs oder einflussreiche Minister afrikanischer Staaten, die doch in Wahrheit, da “ethnisch nicht homogen”, sagt man uns wissenden Blickes, niemals richtige Staaten sind.
Außerdem wird, in den vergangenen Monaten zunehmend, dort die Rede sein von jenen zumeist jungen in Lumpen gehüllten Afrikanern, die, so sagt man, in sukzessiven und stets bedrohlichen Wellen auf den reichen Ländereien des Westens auflaufen, über die spanischen oder italienischen Grenzen, und an Bord von Seelenverkäufern [Anm.: Marineausdruck], nach Seereisen, auf denen manche unter ihnen die Beute von Haifischen wurden oder im Ozean ertranken…..
Überraschend ist, in so vielen Fällen, die Weigerung der Medien der reichen Welt, die Armut des Südens zu erzählen und zu erklären, ohne in schrullige Mitleidstränen zu verfallen. Oder , schlimmer noch, in eine Inszenierung zu verfallen, in der einzig die Emotion zählt, die man mobilisiert mit den Bildern eines kleines Äthiopiers mit seinem wegen Unterernährung aufgedunsenen Bauches, eines von den wiederholten Vergewaltigungen gezeichneten Gesichtes einer jungen Kongolesin, oder der schwarzen Augen eines liberianischen Kindersoldaten, der nur eine blutige Beziehung zum Leben hat, weil er keine Zeit bekam, dessen Sinn zu lernen…..
Neben ihrer allgemeinen Bedürftigkeit ist die andere Seite der dem afrikanischen Kontinent verabreichten Behandlung von der Presse des Westens das Schweigen über sehr viele Themen. Dies führt zu dem ärgerlichen Eindruck, in Afrika passiere nichts Gutes. Es sei denn, man wird dort geboren, lebt dort und stirbt ohne den Krieg kennengelernt oder von einer dieser modernen Pestkrankheiten angesteckt worden zu sein….»

Der marokkanische Journalist Ahmed Taka [*1, aus afrikanische Jornalismushefte] hat recht, und wir komplettieren ihn mit der Erwähnung von Tourismus-, Natur-, Sport- und Folkloreberichten, die eine Art Aber-Trotzdem-Oh Wunder!-Kulisse aufbauen und in wohl ungewollter perfekter Zusammenarbeit mit dem Katastrophen-, Krisen- , Korruptions-, Undemokratie-, Kriegs- und Krankheitenjournalismus eine gut-böse Einteilung der BewohnerInnen des Kontinents vollziehen, die man nirgendwo anders in der Welt auch nur anzudenken wagen würde, so xenophob und rassistisch ist sie unterlegt und appelliert an tiefere Instinkte als beispielsweise das Gerede über eine “gelbe Gefahr” oder die vielen superintelligenten indischen Computerspezialisten in ihrer merkwürdigen Kastengesellschaft:
Als Eingeborener mit Knochen in der Nase ist der schwarze Mann eine Erinnerung an die Vorgeschichte der Menschheit. Als hungernder Bauer ist er zwar ein guter Mensch, aber eben Opfer der eigenen Gesellschaftsordnungen, die das afrikanische Menschengeschlecht nach dem Rückzug seiner Kolonialisatoren in ihrer Eigenschaft als strenge, aber sorgende Feudalherrscher selber erschaffen hat. Keine Bange, in anderen Eigenschaften kommen die ja zurück, denn als nicht mehr Kolonialsklave sondern willfähriges, lern- sowie unser Zivilisationsmodell kopierbereites, dienendes, von materiellen westlichen Werten beseeltes und lenkbares Individuum ist er der gute Afrikaner, den man im Tourismus arbeiten und sogar an westlichen Universitäten studieren sieht und lässt. Sobald er sich aber um Wirtschaft und Politik kümmert, führt er alles wieder in die menschliche Urgeschichte zurück, ist wieder der Eingeborene mit dem Knochen in der Nase, jetzt aber zusätzlich mit Kalaschnikows bewaffnet oder in Anzug und Krawatte mit Koffern geklauten Geldes unterwegs: privates oder gemeinnutzorientiertes Profitstreben sind in Afrika hemmungslose Raffgier; Wahlen sind in Afrika Farcen, die der Verewigung von Königen dienen; Demokraten werden in Afrika automatisch zu Königen oder sogar Despoten, wenn sie es nach oben schaffen; mache jemanden zum Unteroffizier, und er hält sich für einen General; am schlimmsten rückentwickelt sich der schwarze Mann vom potenziellen modernen Menschen zum Stammeskrieger aber, wenn er sich – beispielsweise bei Wahlen – in politischen Bewegungen zusammentut, wenn aus dem Individuum die Masse wird, mit oder ohne Uniform: dann nämlich steht ein Eckchen Afrikas vor neuem grausamen Gemetzel.

Hegel [*2] zufolge ist Afrika das Land der unbeweglichen Substanz und der glanzvollen, freudigen und tragischen Unordnung der Schöpfung. Für Joseph Conrad ist es die Welt des Dunkels. Für Sarkozy, dessen moderner elitärer Rassismus solche Klassiker der Ethnologie aus der Kolonisierungszeit wiederbelebt, ist das Drama Afrikas, “dass der afrikanische Mensch nicht hinreichend in die Geschichte eingetreten ist”, wie er 2007 in seiner ganz Afrika schockierenden elitär-rassistischen “Rede an die Jugend Afrikas” [*2] an der Universität im senegalesischen Dakar formulierte.
Ist das aber nur falsch gesehen, nur rassistisch gedacht? Oder auch das andere Klischee: ist Afrika nur Kolonialismus- und Kapitalismusopfer? Oder gibt es dazwischen sowohl den Archaismus wie auch “den schwarzen Mann” ohne Anführungsstriche, die “moderne” afrikanische Denke und Kultur?

Das Gesagte ist richtig, wie es in den Jahrzehnten nach der Entkolonialisierung für jeden Fortschritt irgendwo einen Rückfall in fast archaische Zustände gegeben hat, und wie Afrika in großen Teilen Heimstatt für traditionelle Frauen- und allgemein Menschen(rechts)verachtung (insbesondere durch fundamentalistische Christ-, Mohammed- oder Naturreligionen), für Rassismus und Fremdenhass und Ethnizismus, für Ausbeutung und Korruption, für Gewaltlösungen und und und ist.
Es sind dennoch so grundfalsche Bilder und Ansichten, wie ein Bildausschnitt von einer Nase kein Gesicht zeigt, wie eine Collage von mit dem Teleobjektiv geschossenen Bildern keinen authentischen Dokumentarfilm ergeben.
Dieses qualitativ weit unter journalistischen Ethikkodexen liegende miserable mediale Afrikabild und die sich von ihm fast zwingend ableitenden Eindrücke und Ansichten werden aber von der breiten Öffentlichkeit, sogar von den medialen Eliten selber und von Großteilen der politischen Klassen im globalen Norden angenommen und führt zu die verheerenden Kreisläufe beschleunigenden, fast – weil schuldlos daran – erleichterten Entsolidarisierungen und Desinteresse: ein Prozent mehr Mehrwertsteuer bewirken eine Meinungsbildung, eine Weltnahrungsmittelkrise bewirkt Schulterzucken.

In Deutschland gibt es noch ein negativierendes Sonder”problem”:
Da Afrika neben den vielen Regionalsprachen französisch- und englischsprachig ist und Deutschland seine afrikanischen “Verbindungen” später als die anderen hatte und viel früher verlor, wird das Afrikathema in deutschen Medien und Politik besonders unterirdisch abgehandelt – man denke nur daran, dass die jüngste Völkermordwelle im Kongo mit Massenvergewaltigungen seit August 2008 bei uns hinter dem Kaukasuskrieg, dem Gazakrieg, der Finanzkrise und dem Wahljahr monatelang nicht einmal erwähnt wurde, ausgenommen bei kleinen NGOs mit kleinstem Lesepublikum wie Ärzte ohne Grenzen, Oxfam usw..
Alle mit Ausnahme des in diesem Punkt anscheinend geläuterten Bundespräsidenten Köhler und der Entwicklungshilfeministerin Wieczorek-Zeul folgten dem zutiefst ignoranten bis diskriminatorischen Mainstream, sogar die Menschenrechtepartei per se Bündnis 90/ Die Grünen, von der Engagement hätte erwartet werden müssen, wenn schon von niemandem sonst: bis dato ungebrochenes Schweigen der oft, man denke an Tibet oder den Iran, gut vernehmlichen prominenten SprecherInnen; im Oktober 2008 gab es eine Bundestagseingabe der Menschenrechteexpertin Kerstin Müller mit der Empfehlung, mit dem Schlächter Laurent Nkunda, der mittlerweile glücklicherweise im Kongo hinter Gittern sitzt und auf seinen Völkermordprozess wartet, zu verhandeln; im Juni 2009 endlich gab es einen Antrag der grünen Bundestagsfraktion zum Kampf gegen die sexualisierte Gewalt [*3].
Und es gibt eine Erklärung für diese Situation, die keinesfalls eine Ausnahmesituation ist: auf eine Beschwerde des Blogautoren in facebook antwortete Volker Beck mit dem link zu jenem Dokument und der bedauernd- lapidaren Feststellung “aber es hat niemanden interessiert”. Gemeint war die Presse.

So halten die meisten Bundesbürger zumindest klammheimlich Afrika für ein Fass ohne Boden und Solidarität für eine sinnlose, verschwenderische Aktivität. Fast nichts hat sich in den 50 Jahren seit der Entkolonisierung wirklich zum Besseren gewandelt, sieht man. Die sind halt so wie sie sind und werden immer so bleiben, denkt man.
Das aber entzieht den aberzehntausenden einfachen, mutigen (vor allem) Afrikanerinnen und Afrikanern, die (ausgenommen einer bekommt einen Preis) von der breiten westlichen Öffentlichkeit fast ungesehen in kleinen Menschenrechte- und Hilfegruppen abseits der politischen Truppen für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit kämpfen, die lebensnotwendige Solidarität. Und unsere Gesellschaften entfremdet es der humanistischen Grundüberzeugung der einen einigen Menschheit.

Denn genau so wahr wie die schrecklichen Vorgänge und Stillstände auf dem schwarzen Kontinent ist, diesmal leider fast unbekannterweise, dass Afrika auch die Heimat kleiner und kleinster, mutiger und mutigster afrikanischer (hier muss laut “afrikaNERINNENischer” gesagt werden) Selbsthilfevereine und NGOs, sowie humanistischer, friedlicher demokratischer Bewegungen im Volk, sowie Denkwerkstatt und -bühne vieler (vor allem selbst-)kritischer Intellektueller ist.
Und unbestreitbar ist, dass auf diesem Planeten Afrika das Hauptopfer des weltweiten Menschenhandels, der Kolonialisierung, des dort während der Entkolonialisierung in vielen Stellvertreterkriegen ausgefochtenen Kalten Krieges und danach der ökonomischen Globalisierung war und ist. Zusammenfassung: seit Jahrhunderten unterdrückt, ausgeraubt, gebrandschatzt.
Völkermord ist keine Erfindung des schwarzen Mannes, wie die Sklaverei aber auch nie ein Monopol des weissen Mannes gewesen ist.

Hier, auf der medialen Ebene, setzen wir an. Bei der nötigen Korrektur des Afrikabildes und der (scheinbar bestätigten) Vorurteile ein wenig helfen. Uns selber besser informieren auch, andere besser informieren und zur Information und Mobilisierung ermutigen dann. Wir sind klein und unsere Arme sind kurz, aber unsere Archive mit teils hochinteressantem, unbekanntem, positiven, motivierendem Material zur Weiterverbreitung nach der Graswurzelmethode werden voller und vielfältiger werden. Wie viele Blogs oder Webseiten gibt es, deren Betreiber internationalistisch, humanistisch, solidarisch gesinnt sind, aber nichts über das wahre gute Afrika schreiben, weil den PublizistInnen die Informationsbeschaffung zu aufwendig, die bekannte Story zu unattraktiv ist, weil die AutorInnen nicht wissen, was sie sagen sollen… In wie vielen grünen, linken oder was immer Seiten in sozialen Netzwerken ist Afrika überhaupt kein Thema? Und warum nicht? Weil Westerwelles neuester Spruch interessanter ist als eine Geschichte über den ersten politischen Streik in Guinea, über das Entstehen einer breiten Demokratiebewegung in einem Volk nach 58 Jahren Diktatur? Weil der Spruch verfügbarer ist. Warum sieht man nirgendwo Investmenttipps in Mikrofinanzfonds?
Ein Beispiel: Wenn eine engagierte NGO mit einer Aktion [*4] “das sinnvolle Geschenk” anbietet, den Verwandten für wenig Geld symbolisch eine Ziege und Junges praktisch für eine afrikanische Hirtin zu schenken, dann wird mit Verbreitung dieser Geschichte auch das Wissen weitergegeben, dass ganz einfache Lösungen grosser Probleme möglich sind, in jedermanns Reichweite sind, dass einfache Armut leidende Menschen aktiviert statt versorgt werden können, und dass über das Hilfe zur Selbsthilfeprinzip nicht nur diskutiert werden kann.
In diesem Beispiel liegt auch die Verbindung zwischen der medialen Ebene und der

Ebene der praktischen Solidarität ohne Mittel: Mit Ausnahme der Engagements weniger Individuen in kleinen NGOs und ab und zu einer Internetpetition hat Solidarität ihren Ersatz in enorm professionalisierter “humanitärer Hilfe” gefunden, die oft zum Selbstzweck geriert – ein weiteres Problem, ein weiteres Gruppenthema: Punktuell mal solidarisch sein, die richtigen Kräfte in Afrika unterstützen.
Im Jahrzehnt nach 1968 gab es viele Afrikasolidaritätsgruppen und auch in der jungen grünen Partei war es noch ein Thema, wenn auch nur für wenige. Diese Art Gruppen gibt es glücklicherweise nicht mehr, denn sie waren ideologisch und im Kalten Krieg bzw. im Rahmen einer Weltrevolution auf Unterstützung der einen oder anderen Befreingsbewegung in den von den USA, der Sowjetunion und der Volksrepblik China geführten Stellvertreterkriegen auf dem afrikanischen Kontinent und anderswo. Diese “Solidarität” hatte weniger die Afrikanerinnen und Afrikaner und deren eigenes Hinauswachsen aus der kolonialen und der vorkolonialen Vergangenheit im Sinn als die Implementierung bestimmter Gesellschaftsordnungen.
An ihre Stelle jedoch trat zunächst nichts ausser einer ständig wachsenden, sich verselbstständigenden und einer das restliche Solidaritätspflichtgefühl in der Bevölkerung der reichen Länder auf eine Art unpolitische Scheckbuchsolidarität bei Katastrophen und an Festtagen verlagernden Humanitärindustrie. Später entstanden viele gute kleine spezialisierte Nichtregierungsorganisationen wie z.B. die “….ohne Grenzen” – Assoziationen, in denen jedoch kaum jemand “mitmachen” kann.

Das ist der dicke, unglücklich verknotete Themenkomplex.

Niemand wird Afrika je ganz verstehen und erklären können, sagt neben vielen afrikanischen Intellektuellen auch Peter Scholl-Latour, dem man vielleicht alles vorwerfen kann außer Unkenntnis, nach 50 Jahren Afrikajournalismus “weit weg von der Hotelbar”.
Wir werden es auch nicht verstehen. Hier soll aber das Verständnis erleichtert werden.
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Sarkozy sagt, im Mittelmeerraum, in Afrika werde sich die Zukunft der Menschheit entscheiden, ob Krieg oder Frieden, ob Hass oder Miteinander, ob Hunger oder Wohlstand, ob Fundamentalismus oder Demokratie.

Wir sagen, am Thema Afrika und Solidarität wird sich die Frage des Humanitätsanspruchs der gesamten Menschheit entscheiden. Sind wir eine Menschheit oder zwei oder drei, sind wir Menschen oder ein Irrtum der Evolution?

ENDE

[*1] Takas Artikel: Siehe Blogspalte links, das Bildchen. Draufklicken.
[*2] Hegel, Sarkozy: Sarkozys Rede an die Jugend Afrikas und Replik von Achille Mbembe»
[*3]
[*4] » Oxfam- Unverpackt

Afrikanische Reaktionen auf die Klimakonferenz Kopenhagen – Ankündigung

Liebe Besucherinnen und Besucher dieses Afrikanews-Archivs,
Die ersten Reaktionen aus Afrika und anderen Opferregionen trudeln langsam ein. Sie werden nicht Bestandteil dieses Blogs sein, weil ich hier “nur” Depeschen der afrikanischen AFP-Korrespondenten aus von mir korrigierten automatischen Google-Übersetzungen darbiete, also Nachrichten und kleine Reportagen mit Nachrichtencharakter,
sondern:
Weil es mir wichtig ist und es sich um anspruchsvollere, von “richtigen Autoren” geschriebene Meinungen und Analysen handeln wird, sammle, sichte, werte ich sie und treffe eine Auswahl der beeindruckendsten Fazite und übersetze diese während der Weihnachtspause – das Thema läuft uns leider nicht weg, und es sind Hintergründe, keine Aktualitäten.
Meine eigenen, ziemlich umfassenden, tiefgehenden und weitgreifenden, nonkonformistischen Reflexionen, in denen Afrika natürlich auch einen großen Platz hat, habe ich – mit bitteren Karikaturen aus der internationalen Presse garniert -bereits in meinem Artikel
“»»» Fazite der Klimakonferenz Kopenhagen: Dem Westen bleibt nur noch sein Reichtum, …
in meinem Hauptblog “Unser globales Dorf” veröffentlicht,
dem ich im Mai 2010 die deutschen Übersetzungen der afrikanischen Texte hintanfügen werde. Dann gibt es hier (für die RSS-Abonnenten u.ä.) noch mal eine Vollzugsmeldung.
Die Weinachtspause in diesem Blog hier endet am 4. Januar.

SCHON EMPFEHLUNGEN IN ENGLISCH/ FRANZÖSISCH:
1. »»» L’expression, Algerien
Après le désastre de Copenhague

2. »»» Afronline, Interview Kumi Naidoo, Greenpeace Chef
Global economic apartheid is obstacle to fair climate deal

3. »»» IPS, Terraviva:
“We’re Not Finished Yet,” Civil Society Warns

von Antonio für Expresso