ÄGYPTEN: 7mal LEBENSLANG – ERSTE VERURTEILUNGEN wg SEXUELLER GEWALT – Egypte : prison à vie pour 7 agresseurs sexuels

- sexuelle gewaltEin Ausschnitt aus der “Harass Map” zeigt die Anzahl sexueller Übergriffe in und um Kairo in den vergangenen Jahren.

Sexuelle Gewalt in Ägypten: Kampf gegen “bedauerliche Tradition”
Von Noura Maan 25. Juli 2014, 13:03 http://derstandard.at/r3629/Aegypten
Nach einer Gesetzesänderung wurden erstmals mehrere Täter wegen sexueller Übergriffe zu langen Haftstrafen verurteilt. Dass sich in Ägypten deshalb tatsächlich etwas ändern wird, bezweifeln Menschenrechtsorganisationen
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Egypte : prison à vie pour 7 agresseurs sexuels
25.07.2014 http://www.itele.fr/monde Avec AFP
Sept hommes ont été condamnés mercredi à la prison à vie pour des agressions sexuelles. Un verdict sans précédent en Egypte, où les autorités se disent déterminées à lutter contre la fléau de la violence sexuelle dont la quasi-totalité des femmes s’estiment victimes.

graffiti_1 ägyptenfoto: ap photo/maya alleruzzo
Ein Graffito an einer Straßenwand in Kairo: “Keine Belästigung”.

Ce phénomène s’est largement aggravé depuis la révolte de 2011 qui a chassé Hosni Moubarak du pouvoir, des dizaines de femmes égyptiennes et étrangères ayant été prises pour cibles dans des rassemblements, notamment sur l’emblématique place Tahrir au Caire.
Outre les sept condamnations à la prison à vie — qui correspondent en fait en Egypte à une peine de 25 ans–, le tribunal a infligé à deux autres accusés 20 ans de détention.
Ces neuf hommes étaient jugés pour enlèvement, viol, agression sexuelle, tentative de meurtre et torture sur plusieurs femmes les 3 et 8 juin, lors de manifestations à Tahrir célébrant l’élection du président Abdel Fattah al-Sissi, et le 25 janvier 2013, à l’occasion du 2e anniversaire de la révolution de 2011.
Les condamnés seront également placés sous surveillance policière pendant une période de cinq ans après avoir purgé leur peine.
Selon le bureau du procureur, le 3 juin, “deux groupes de criminels sont allés sur la place (Tahrir) et ont attrapé une femme et sa fille. Ils ont emmené la femme vers une mosquée non loin, où elle a été attaquée et déshabillée. Puis ils l’ont battue, et quand elle a tenté de s’échapper, de l’eau bouillante lui a été jetée dessus, la blessant grièvement. Les agresseurs l’ont encerclée et l’ont attaquée sexuellement jusqu’à l’arrivée de la police”.
Cinq jours plus tard, plusieurs femmes âgées de 17 à 42 ans ont été attaquées par le même groupe d’hommes. “Ils les ont séparées, puis les ont attaquées et battues, et ont même menacé d’enlever les enfants de l’une d’entre elles”, a expliqué le bureau du procureur.
99% des femmes concernées ?

Des militants n’ont eu cesse de dénoncer l’insuffisance des mesures prises par les autorités contre ces violences endémiques dont 99% des femmes affirment avoir été victimes, qu’elles soient vêtues “à l’occidentale” ou voilées, selon une étude de l’ONU parue en 2013.
Selon les militants, environ 250 cas de harcèlements, d’agressions sexuelles ou de viols sous la menace d’armes ont ainsi eu lieu lors de manifestations au Caire, entre novembre 2012 et juin 2013.
Le fléau, quasiment jamais puni, avait été médiatisé après plusieurs cas de journalistes, notamment étrangères, victimes d’agression et parfois de viols.
Les dénonciations ont pris de l’ampleur avec la diffusion en juin sur internet d’une vidéo montrant une étudiante agressée sur la place Tahrir pendant les célébrations d’investiture du président Sissi.
Ces images, qui semblent avoir été filmées avec un téléphone portable et ont déclenché un tollé dans le pays et à l’étranger, montrent une jeune femme nue portant des traces de sang et des ecchymoses, escortée par des policiers, alors que des dizaines d’hommes continuent à se masser autour d’elle.
Devant le scandale, les autorités se sont engagées à appliquer avec fermeté la loi, le pays venant d’adopter sa toute première législation punissant spécifiquement le harcèlement sexuel, avec une série de sanctions allant de l’amende à la prison ferme.
Fathi Farid, du groupe “I saw Harassment” (J’ai vu du harcèlement), a souligné que le verdict du tribunal mercredi était “politisé, dans la mesure où l’Etat veut montrer qu’il est actif dans la lutte contre les violences sexuelles”.
“Les femmes égyptiennes et le monde entier regardent ce que le président Sissi va faire pour stopper les violences sexuelles et le harcèlement”, avait souligné l’ONG Human Rights Watch (HRW) le mois dernier.

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- demojunifoto: ap photo/amr nabil
Ägypterinnen bei einer Demonstration gegen sexuelle Gewalt im Juni in Kairo.

Sexuelle Gewalt in Ägypten: Kampf gegen “bedauerliche Tradition”
Von Noura Maan 25. Juli 2014, 13:03 http://derstandard.at/r3629/Aegypten
Nach einer Gesetzesänderung wurden erstmals mehrere Täter wegen sexueller Übergriffe zu langen Haftstrafen verurteilt. Dass sich in Ägypten deshalb tatsächlich etwas ändern wird, bezweifeln Menschenrechtsorganisationen
Seit Jahrzehnten ist sexuelle Gewalt in Ägypten präsent. Bei einer Erhebung der Thomson Reuters Foundation bezüglich der Wahrnehmung von Frauenrechten in der arabischen Welt landete Ägypten vergangenes Jahr auf dem letzten Platz. 99,3 Prozent der ägyptischen Frauen gaben zudem in einer UN-Studie an, bereits Opfer sexueller Belästigung geworden zu sein.
Im Lauf der Jahre sei daraus eine “bedauerliche Tradition” geworden, sagt Noora Flinkman von der Freiwilligeninitiative Harass Map im Gespräch mit derStandard.at. Das Ziel ihrer Organisation ist es, durch anonyme Meldungen aufzuzeigen, wo sich Fälle sexueller Belästigung in Ägypten geografisch häufen.
Gleichzeitig sind Freiwillige in ganz Ägypten aber auch vor Ort aktiv, um durch Kampagnen und Initiativen die gesellschaftliche Akzeptanz der Übergriffe zu beenden. Laut Flinkman ein schwieriges Unterfangen, da die Täter jahrzehntelang ohne jegliche Strafverfolgung davonkamen und die Übergriffe damit zur akzeptierten Normalität wurden. “Bei der Gründung unserer Initiative 2010 war sexuelle Belästigung ein Tabu, und das war mit ein Grund dafür, warum es sich heute zu einer solchen Epidemie entwickelt hat”, sagt Flinkman.
Vor allem bei Demonstrationen, großen Menschenansammlungen und an religiösen Feiertagen häuften sich in den vergangenen Jahren die Berichte über sexuelle Übergriffe; Flinkman merkt aber an, dass möglicherweise nicht die Fälle selbst, sondern die Meldungen darüber zunahmen: “Es passiert überall, jeden Tag, und war bereits vor der Revolution 2011 ein großes Problem.” Der Mut der Betroffenen, die Vorfälle zu melden, nehme aber nun zu und führe dazu, dass endlich verstärkt über sexuelle Gewalt innerhalb der ägyptischen Gesellschaft gesprochen werde.
Nach dem Zusammenbruch des Polizeistaats und dem Sturz von Präsident Hosni Mubarak im Jahr 2011 schien die Anzahl der sexuellen Übergriffe noch stärker anzusteigen: Zwischen November 2012 und Jänner 2014 wurden nach Angaben der Internationalen Liga für Menschenrechte (FIDH) 250 Fälle von “Gruppenvergewaltigung und massiven sexuellen Übergriffen” angezeigt, es kam jedoch in diesem Zeitraum zu keiner Verurteilung der Täter.
Vergangene Woche hat nun ein ägyptisches Gericht erstmals neun Männer wegen sexueller Übergriffe auf dem Tahrir-Platz in Kairo zu langen Haftstrafen verurteilt. Die Urteile bezogen sich auf Vorfälle Anfang Juni, als Menschenmengen auf dem Tahrir-Platz den Wahlsieg des neuen Präsidenten Abdelfattah al-Sisi bejubelten, sowie auf Übergriffe im Jänner 2013 während der Feiern zum zweiten Jahrestag des Sturzes von Ex-Diktator Mubarak.
Sieben der Angeklagten erhielten lebenslänglich, was de facto 25 Jahre Haft bedeutet. Zwei weitere Männer müssen 20 Jahre ins Gefängnis. Die Behörden in Ägypten hatten mit diesem Fall erstmals ein Verfahren wegen Gruppenvergewaltigung und sexuellen Missbrauchs von Frauen eingeleitet. Erst Anfang Juni wurde ein neues Gesetz verabschiedet, wonach Täter sexueller Übergriffe mit mehrjährigen Haftstrafen rechnen müssen. Eine spezielle gesetzliche Regelung gab es zuvor nicht, meist mussten die Betroffenen wegen Körperverletzung Klage einreichen.
Präsident Sisi beauftragte zudem Mitte Juni ein ministerielles Komitee mit der Festlegung einer nationale Strategie. Deren Ergebnis beinhaltet verstärkte Sicherheitsvorkehrungen für Frauen an öffentlichen Orten und Versammlungen sowie Aufklärungsarbeit in Medien und Schulen.
Auslöser für die neuen Initiativen war ein Video, Anfang Juni auf Youtube erschienen, auf dem zu sehen ist, wie eine Menschenmenge eine Frau auf dem Tahrir-Platz angreift und ihr die Kleider vom Leib reißt. Youtube weigerte sich, das Video des Übergriffs auf Anfrage des Opfers zu löschen, da das Videoportal darin wichtigen Nachrichtenwert sieht.
Das Video löste einen Aufschrei in der ägyptischen Gesellschaft aus und führte dazu, dass Präsident Sisi das Vergewaltigungsopfer persönlich im Krankenhaus besuchte und sich bei ihm und “allen ägyptischen Frauen” entschuldigte.
“Das ist ein großes Problem, das nicht durch Krankenhausbesuche oder rote Rosen gelöst werden kann”, wirft Noora Flinkman von Harass Map jedoch ein. Die neue Gesetzeslage sei zwar zu begrüßen, habe aber immer noch diverse Lücken. Beispielsweise werde sexuelle Belästigung (“sexual harassment”) zwar bestraft, sexueller Übergriff beziehungsweise sexuelle Nötigung (“sexual assault”) werde aber nicht explizit genannt. Sie kritisiert zudem, dass nicht mehr der etwa 250 Fälle zwischen November 2012 und Jänner 2014 rückwirkend strafrechtlich verfolgt werden.
Vergewaltigung gesetzlich unzureichend definiert
Auch der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch gehen die derzeitigen Initiativen noch nicht weit genug. Zudem wird eine moderne und umfassende Definition von Vergewaltigung im ägyptischen Strafgesetzbuch gefordert – sowohl von Human Rights Watch als auch von Noora Flinkman. Das derzeitige Gesetz schließe viele gängige Formen der Vergewaltigung nicht ein – bei Vergewaltigungsdelikten zählten etwa der orale und anale Missbrauch sowie der mit Gegenständen nicht, kritisiert Flinkman. Notwendig seien zudem die Bereitstellung von medizinischer und psychosozialer Unterstützung für Opfer sexueller Gewalt sowie eine umfassende nationale Strategie.
Die derzeitigen Initiativen seien aber erste, wenn auch kleine Schritte in die richtige Richtung, sagt Flinkman. Es bleibe jedoch abzuwarten, ob die Regierung es mit der Umsetzung tatsächlich ernst meint und dadurch “auch gesellschaftlich ein Umdenken einsetzt, das sexuelle Gewalt verurteilt”. (Noura Maan, derStandard.at, 25.7.2014)
Thomson-Reuters-Foundation-Umfrage
FIDH-Report: Egypt – Keeping Women Out
Empfehlungen von Human Rights Watch
Harass Map im Internet

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