ANGOLA: PROTESTE, ARABISCHER FRÜHLINGSWIND? – Mécontentement populaire en Angola – Un vent révolutionnaire qui souffle?

Ich danke der deutschen und der französischen Afrikaredaktion der Deutschen Welle World für den folgenden Artikel:
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Version francaise: voir plus bas.

Angola | 14.09.2011

Haftstrafen für Demonstranten in Angola

In Angola kommt es immer wieder zu Protesten gegen den seit 32 Jahren amtierenden Präsidenten dos Santos. Nun sind Demonstranten in Luanda zu Haftstrafen verurteilt worden. Die Regierung wirft ihnen Gewalttätigkeit vor.

Angolas Hauptstadt Luanda hat turbulente Tage hinter sich. Vorerst letzter Höhepunkt der Auseinandersetzungen zwischen oppositionellen Jugendlichen und der Staatsmacht war das Gerichtsverfahren gegen mehrere Demonstranten. Vier mal musste das Verfahren vertagt werden, anfangs war die Anklageschrift nicht komplett, zuletzt fiel am Samstag (10.9.) der Strom im Gerichtssaal aus.

Montagnacht (12.09.) wurden dann die Urteile verlesen: 18 Demonstranten müssen die nächsten Wochen und Monate im Gefängnis verbringen. Sie wurden zu Strafen von bis zu 90 Tagen verurteilt.

“32 Jahre sind genug”

Foto: Clemens Bilan/dapdGegen ihn richten sich die Proteste: Staatspräsident José Eduardo dos Santos, hier mit Kanzlerin Angela Merkel

Angefangen hatte alles am 3. September. Für diesen Tag hatte eine Gruppe von Studenten und Musikern zu einer Demonstration unter dem Motto “32 Jahre sind genug” auf dem Unabhängigkeitsplatz im Zentrum Luandas aufgerufen. 32 Jahre lang regiert Präsident José Eduardo dos Santos und die ehemalige Unabhängigkeitsbewegung MPLA das Land, ohne jemals gewählt worden zu sein. Angola ist zweitgrößter Erdölexporteur Afrikas, doch von den Milliarden Dollar, die so ins Land kommen, profitiert vor allem eine kleine Elite.

Die Demo war hauptsächlich über soziale Netzwerke im Internet, Emails und SMS verbreitet worden. Einige kleinere Oppositionsparteien wie der Bloco Democrático und PDP-ANA hatten sich dem Aufruf angeschlossen, doch traditionelle Oppositionsparteien wie die UNITA oder die FNLA standen eher abseits. Ähnliche Demonstrationen sind bereits seit März immer wieder organisiert worden, meist ohne großen Erfolg.

Prominentester Vertreter der neuen Bewegung ist der nun zu 90 Tagen Haft verurteilte Rapper Dionísio Casimiro “Carbono”. Er hatte in Interviews und im Internet auf der Videoplattform Youtube zur Demo aufgerufen: “Viele von uns sind schon unter dieser schlechten Regierung geboren worden. Die angolanische Gesellschaft ist Opfer dieser schlechten Regierungsführung.”

Rapper Carbono hatte schon in dem Demonstrationsaufruf beklagt, dass die Organisatoren der Demo unter Druck gesetzt würden: “Wir wissen nicht, inwieweit das Regime seine Macht einsetzen wird, um uns zu schaden. Aber wir sagen klar, dass wir nicht gewalttätig sind.”

Gewalt auf dem Unabhängigkeitsplatz


Foto:Vincent HuckAngolaner protestierten im März in London gegen ihre Regierung Während der Demonstration vom 3.9. kam es dann aber doch zu Gewalt. So wurden mehrere angolanische und ausländische Journalisten verprügelt und verletzt, nach Angaben der Regierung auch drei Polizeibeamte.

Mit der Gewalt rechtfertigte der angolanische Innenminister Sebastião Martins das Gerichtsverfahren gegen die Demonstranten: “Wir werden weiter harte Aktionen ergreifen, um Bilder zu vermeiden, wie wir sie aus England, aus London, aus Griechenland oder anderen Orten im Fernsehen gesehen haben.” Der Innenminister fügte süffisant hinzu, dass solche Situationen zu einer lebendigen Demokratie dazu gehörten: “Wenn wir ein solches Demokratie-Defizit hätten, wie immer behauptet wird, dann wären solche Demos nicht möglich.”

Human Rights Watch: Gewalt ging von Staatsmacht aus


Doch mehrere internationale und angolanische Menschenrechtsorganisationen machen die angolanische Staatsmacht selbst für die Gewaltausbrüche am Rand der Demos verantwortlich. Lisa Rimli, Angola-Expertin von Human Rights Watch, sagt, dass die Angriffe nicht von den Demonstranten, sondern von Provokateuren ausgegangen seien: “Zahlreiche Augenzeugen haben eine Gruppe von Männern identifiziert, die sich in die Demonstration eingeschmuggelt hatte, aber selbst nicht zu den Demonstranten gehört hat.”

Die Männer seien koordiniert vorgegangen und hätten bei ihren gewalttätigen Aktionen sogar den Schutz der Polizei genossen, sagt Rimli: “Mehrere Journalisten haben uns erzählt, dass sie und andere Demonstranten unter den Augen der Polizei angegriffen wurden und die Polizisten nicht eingegriffen hätten.”

Kein Zugang zu Anwälten

Öl und Gaswerke in AngolaAngola ist reich an Öl und Gas – die Bevölkerung fordert mehr Beteiligung am WohlstandMenschenrechtsgruppen kritisierten außerdem, dass die Angeklagten während des Prozesses in unbekannten Gefängnissen und ohne Zugang zu ihren Anwälten festgehalten worden waren.

Für den in Portugal lebenden angolanischen Analysten Orlando Castro versucht die Regierung Angolas, mit Gewalttaten, die von Geheimpolizisten verübt wurden, die Demonstranten zu diskreditieren. So könne die angolanische Regierung auch ihr hartes Vorgehen rechtfertigen: “Meiner Meinung nach ist der Grund für diese Repression, dass die Regierung Angst hat, dass die Beispiele aus Tunesien, Ägypten und Libyen auch in Angola Schule machen könnten. Das ist durchaus nachvollziehbar, da es sich in Angola um ein autoritäres Regime handelt, das auf sehr undemokratische Weise die Meinungsfreiheit einschränken möchte.”

Orlando Castro sieht durchaus Parallelen zwischen den Zuständen in Angola und in Tunesien, Ägypten und Libyen: “Daher versucht die Regierung mögliche Probleme direkt im Keim zu ersticken.”

Auch in den nächsten Tagen dürfte Luanda nicht zur Ruhe kommen. Seit Dienstag (13.9.) stehen weitere 30 Demonstranten vor Gericht. Sie waren am vergangenen Donnerstag (8.9.) zur Botschaft der USA gezogen, um gegen das Verfahren gegen die anderen Demonstranten zu protestieren. Die Polizei hatte sie daraufhin festgenommen.

Autor: Johannes Beck
Redaktion: Lina Hoffmann

Afrique | 14.09.2011, DWW Afrique francophone

Mécontentement populaire en Angola

Le vent révolutionnaire qui a soufflé sur la Tunisie, l’Egypte ou la Libye semble inspirer les militants des droits humains et opposants plus au sud dans de nombreux pays africains. Un exemple : l’Angola.

Depuis le mois de mars, des manifestations se sont régulièrement déroulées contre le président José Eduardo dos Santos qui se maintient au pouvoir depuis 32 ans déjà sans jamais avoir été élu. L’Etat angolais réagit avec rigueur à cette vague de protestation. Lundi dernier encore, plusieurs manifestants ont été condamnés à des peines de prison de plusieurs mois.

La capitale angolaise Luanda a connu des journées agitées ces derniers temps. Face aux manifestants, l’Etat veut faire preuve de rigueur : 18 jeunes manifestants ont été condamnés lundi soir à des peines de prison allant jusqu’à trois mois.

Tout a commencé le 3 septembre dernier. Ce jour-là, un groupe d’étudiants et de musiciens avait appelé via des réseaux sociaux et par SMS à manifester sur la place de l’Indépendance dans le centre de Luanda sous le slogan “32 ans, cela suffit!” Quelque trois cent jeunes s’étaient finalement rassemblés sur cette place pour protester contre les atteintes aux droits de l’Homme, le manque d’eau, d’électricité, et la pauvreté de certains quartiers de la capitale, malgré d’ importants revenus pétroliers pour le budget de l’Etat.

Rafael Marques, militant pour les droits de l'HommeRafael Marques, militant pour les droits de l’Homme

Plusieurs petits partis d’opposition comme le Bloco Democrático ou le PDP-ANA s’étaient joints au mouvement, les partis d’opposition traditionnels tels que l’ UNITA ou le FNLA s’étaient abstenus.

L’un des instigateurs de cette manifestation est le rappeur Dionísio Casimiro “Carbono”, condamné à 90 jours de prison.

« Nombre d’entre nous vivent depuis leur naissance sous ce mauvais gouvernement. La société angolaise est victime de cette mauvaise gouvernance. Nous sommes soumis à des répressions. Nous ne comprenons pas pourquoi ce régime fait usage de sa force pour nous nuire. Mais nous disons clairement que nous sommes non-violents. »

Cependant des violences s’étaient produites lors de la manifestation du 3 septembre. Plusieurs journalistes angolais et étrangers avaient été blessés ainsi que trois policiers. Aussi le ministre angolais de l’Intérieur Sebastião Martins justifie les procédures et poursuites judiciaires contre les manifestants :

« Nous poursuivrons nos actions de manière stricte, pour éviter des images telles que nous les avons vues à la télévision en Angleterre dans les rues de Londres, d’Athènes ou d’ailleurs. D’un autre côté je pense que de telles situations sont normales au sein d’une démocratie vivante. Si nous avions vraiment de tels déficits démocratiques comme certains le prétendent, eh bien de telles manifestations ne seraient pas possibles ! »

Toutefois plusieurs organisations internationales de défense des droits de l’Homme, telles que Human Rights Watch, accusent le pouvoir angolais d’être responsable des dérapages lors de ces manifestations. Selon de nombreux témoins, les violences auraient été déclenchées par des agents provocateurs.

Auteurs : Johannes Beck, Philippe Pognan
Edition : Kossivi Tiassou

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