Afrikanische Probleme: Die Verantwortung der Intellektuellen – Venance Konan, deutsche Übersetzung, traduction allemande: Un milliard de quoi

Briefe: 1 Milliarde wovon? – von Venance Konan, in deutscher Übersetzung – Un milliard de quoi?
-Partie française en bas, en dessous du texte allemand-
Ein Nachtrag zu “50 Jahre Unabhängigkeit”
– Petit retour aux 50 ans d’indépendance –

by: Co-Autorin aramata

Geschätzte Leserinnen und Leser,

Sie befinden sich hier sowohl im vierten Artikel einer kleinen Serie von “Briefen an/über die Macht” (momentan) hauptsächlich des ivorischen Autoren Venance Konan, aber auch anderen,
wie auch in der Rubrik “by african authors- de- fr” mit deutsch übersetzten Texten afrikanischer Herkunft, die von nun an (Mitte Februar 2011) zu einer etwa 14-tägigen regelmäßigen Kolumne weiterentwickelt wird.
Informationen über den Autor sind jeweils unter seinem Artikel.

Eine Milliarde wovon?
Un milliard de quoi?
von Venance Konan 26.04.2010 frz Original
Dieser Beitrag des ivorischen Schriftstellers und Journalisten Venance Konan wurde am 26.04.2010 im Nouveau Réveil veröffentlicht. Infos zur Zeitung ebenfalls unter dem Artikel
Deutsche Übersetzung von Reinhild Kim

Venance KonanWeil viele Internetnutzer auf meine letzte Kolumne reagiert haben, ob es besser ist auszuwandern oder in unseren Ländern zu bleiben, will ich noch einmal auf dieses Thema zurückkommen. Afrika hat seit kurzem, so wird uns gesagt, eine Milliarde Einwohner. Soll man sich darüber freuen oder besorgt sein? Ich weiß es nicht. Wir werden eine Milliarde wovon sein? Eine Milliarde in Würde lebender Menschen oder eine Milliarde von Bettlern? Diejenigen, die sich über diese Zahl zur Zeit Sorgen machen, sind die Europäer. Denn an ihren Küsten stranden jedes Jahr Tausende Afrikaner. Sie sind es, die nicht mehr wissen, mit welchen Maßnahmen sie sich vor all diesen Bettlern auf der Suche nach Nahrung und Freiheit schützen können, die ihre Länder erstürmen. Jeder Afrikaner, der in der Wüste oder im Mittelmeer stirbt, legt, besser als alle Reden es könnten, Zeugnis ab vom Versagen seines Landes. Und jedes Jahr sind es Hunderte von jungen Menschen, die in der Wüste oder im Meer sterben, weil sie lieber dieses Risiko auf sich nehmen als in ihren Ländern zu bleiben, wo ihnen keine Träume mehr geboten werden.

Vor zwei Jahren bin ich nach Kidal in der malischen Wüste gefahren, auf den Spuren jener jungen Leute, die von den Ländern Nordafrikas zurückgedrängt werden. Ein Junge aus Togo, den ich dort traf, sagte mir, dass er nur einen einzigen Traum habe, nämlich genug Geld zu finden, um das Abenteuer von vorn zu beginnen. Tatsächlich hatte er mir kurz vorher erzählt, welche Hölle es für ihn gewesen war, bis nach Algerien zu kommen und dann die Wüste nochmal in umgekehrter Richtung durchqueren zu müssen. Und er hatte diesen schrecklichen Satz gesagt: „Ich sterbe lieber hier als in mein Land zurückzugehen.“ Ich kenne Togo – konnte ich ihn dafür tadeln? Man soll sich nichts vormachen: unsere afrikanischen Länder haben insgesamt jämmerlich versagt. Und alle gesunden Arbeitskräfte versuchen, sich abzusetzen.

Banner mein Artikel 50 JahreSüdafrika, das besser zurecht zu kommen schien als die anderen Länder, ist von den Armen aus anderen afrikanischen Länder überrannt worden und hat so die Fremdenfeindlichkeit im eigenen Land geweckt, wo einige Bewohner in noch größerem Elend leben. Die schwarzafrikanischen Einwanderer in den Ländern des afrikanischen Nordens, die auch wohl besser zurecht kommen, erleben den grausamsten Rassismus, den unsere Intellektuellen seltsamerweise nicht mit der gleichen Heftigkeit bemängeln wie den in Frankreich herrschenden. Wir alle erinnern uns an die Pogrome in Libyen genau zu dem Zeitpunkt, wo der Führer dieses Landes sich zum Barden der Afrikanischen Union aufschwingen wollte.

Nein, man kann diesen jungen Leuten keinen Vorwurf machen, dass sie, unter Einsatz ihres Lebens, eine weniger grausame Zukunft suchen wollen. Selbst wenn sich allzu oft, am Ziel angekommen, der Traum in einen Albtraum verwandelt. Was machen sie hier? Welche Gelegenheit haben sie hier, sich am Aufbau ihres Landes zu beteiligen? Welche Zukunft bieten wir den Tausenden junger Menschen, die jedes Jahr als Absolventen unsere Hochschulen verlassen?

Und doch, Afrika ist noch vollständig zu erbauen. Im Prinzip, mit einer Milliarde Menschen, sollte Afrika mehr Kräfte besitzen für dieses Werk. Also? Das Problem ist, dass die afrikanischen Eliten versagt haben. Die politischen Eliten, die intellektuellen Eliten. Die Politiker, die an die Macht kommen, haben nur zwei Sorgen: sich so sehr zu bereichern wie möglich und sich so lange wie möglich an die Macht zu klammern. Was erklärt denn, dass ein Land wie die Elfenbeinküste jedes Jahr Tausende von Polizisten ausbildet, aber keinen einzigen Arzt? Erstaunt es, dass ein junger Arzt, der müde wird, auf eine hypothetische Anstellung zu warten, sein Glück in Europa versucht? Israel hat es fertig gebracht, Tomaten mitten in der Wüste anzubauen. Aber was interessiert die afrikanischen Staaten an der Zusammenarbeit mit Israel? Abhörsysteme, Waffen, Drohnen, Präsidentensicherheit.

Die intellektuellen Eliten, die eigentlich Stachel im Fleisch der Mächtigen sein sollten, die ohne Pause diese Mächtigen an ihre Verpflichtungen erinnern sollten, haben ihrerseits versagt, als sie die Wahl trafen, diese bei ihren Beutezügen zu begleiten. Was haben wir heute dem Rest der Welt zu bieten? Unsere schädliche Kraft. Und wir haben beschlossen, dies als Mittel der Erpressung einzusetzen.

Ich habe einmal Jean Ping, den Leiter der überflüssigen Kommission der Afrikanischen Union, in einem Interview sagen hören, dass wenn der Westen Afrika nicht hilft, er mit einer Horde illegaler Immigranten rechnen muss. Sehr gut. Was haben wir im Laufe von fünfzig Jahren Unabhängigkeit mit all der Hilfe gemacht, die wir erhalten haben? Ein großer Teil ist nach Europa zurückgeflossen, auf Nummernkonten. Was tun unsere Führer für ihre Länder? Was hat Omar Bongo (Gabun) mit den Milliarden, die er mit Öl, Holz, Mangan, Uran eingenommen hat, für sein Land getan? Was macht Sassou (Kongo-Brazzaville) mit den Milliarden, die die Ressourcen seines Landes einbringen?

Der Skandal der Bank der zentralafrikanischen Staaten wurde gerade aufgedeckt. Milliarden, die von Führern, die, da bin ich sicher, redenlang den Egoismus des Westens anprangern, gestohlen wurden. Was macht Laurent Gbagbo mit den 60 Milliarden, die er sich jährlich vom Staatshaushalt genehmigt? Mit welchem Recht reden wir vom Egoismus der reichen Länder, wenn unsere Führer die Haupträuber ihrer eigenen Länder sind?

Afrika ist zu erbauen. Wir sind von nun an eine Milliarde um es zu tun. Afrika bietet uns alles. In Wirklichkeit ist unser Kontinent mit seiner Milliarde Menschen noch weit unterbevölkert. Ein Land wie Holland zählt ebenso viele Einwohner wie die Elfenbeinküste auf einem zehnmal kleineren Territorium. Und dennoch bringen sie es fertig, sich selbst zu ernähren und sogar Nahrungsmittel auszuführen. Wir können nicht unsere jungen Brüder tadeln, die gehen. Aber die Eliten, sie müssen bleiben und dafür kämpfen, dass die Dinge sich ändern. Damit unsere jungen Brüder nicht länger in der Wüste oder auf dem Meer ums Leben kommen. Und damit wir keine Milliarde von Bettlern werden.

Venance Konan

Venance Konan (*1958 in der Côte d’Ivoire / Elfenbeinküste) ist Journalist und Autor und hat sein Jura-Studium mit einer Promotion in Nizza abgeschlossen. Er war lange Jahre bei Fraternité-Matin, der größten Tageszeitung des Landes, tätig; er ist heute Mitarbeiter verschiedener Zeitungen und Zeitschriften in seiner Heimat und in Frankreich. Zu seinen literarischen Werken gehören die Romane Les prisonniers de la haine (Abidjan 2003, «Die Gefangenen des Hasses ») und Les Catapila, ces ingrats (Paris 2009, «Die Krabbelkäfer, diese Undankbaren ») sowie u.a. die Erzählbände Robert et les Catapila (Abidjan 2005) und Nègreries (Abidjan 2007).
Kindheit: “Das Verschwinden meines Vaters”

LE NOUVEAU REVEIL: Diese Tageszeitung der Elfenbeinküste ist ungeachtet ihrer BILD-mäßigen Aufmachung ein ernsthafter Teil der Presselandschaft und wird vom ehemaligen Präsidenten (1993-1999) Henri Bédié herausgegeben, der heute den gewählten Präsidenten Ouattara unterstützt. Die Zeitung wurde mehrfach von den Jeunes Patriotes zerrissen und Verkaufsstellen wurden zerstört. Die Jeunes Patriotes sind Gbagbos mordende und plündernde Schlägertruppe („Pfadfinder des Bösen“ laut SZ vom 07.03.11).


Chers francophones!

Vous voici dans une rubrique présentant des traductions allemandes d’auteurs africains (principalement francophones aussi). Comme ici, je copie la première partie des originaux avec le lien pour continuer la lecture.
Voici ma rubrique Cote d’Ivoire.

Un milliard de quoi?
Avril/2010 par VENANCE KONAN

De nombreux internautes ayant réagi à ma dernière chronique sur le choix de s’exiler ou de rester dans nos pays, je me permets de revenir encore une fois sur ce sujet. L’Afrique, nous dit-on, vient d’avoir un milliard d’habitants. Faut-il s’en réjouir ou s’en inquiéter ? Je ne sais pas. Nous serons un milliard de quoi ? Un milliard de personnes dignes ou un milliard de mendiants ? Pour le moment, ceux que ce chiffre chiffonne, si je peux me permettre, ce sont les Européens. Car c’est sur leurs côtes que chaque année des milliers d’Africains viennent s’échouer. Ce sont eux qui ne savent plus quel dispositif prendre pour se protéger de tous ces gueux en quête de pitance ou de liberté qui viennent à l’assaut de leurs pays. Chaque fois qu’un Africain meurt dans le désert ou dans la Méditerranée, il témoigne mieux que tous les discours de l’échec de son pays. Et chaque année, ce sont des centaines de jeunes gens qui meurent dans le désert ou dans la mer, parce qu’ils ont préféré prendre ce risque plutôt que de vivre dans leurs pays qui n’ont plus aucun rêve à leur proposer. Il y a deux ans, je me suis rendu à Kidal, dans le désert malien, sur les traces de ces jeunes gens qui sont refoulés par les pays du nord du continent. Un jeune Togolais rencontré là m’avait dit qu’il n’avait qu’un seul rêve, trouver assez d’argent pour recommencer l’aventure. Et pourtant il venait de me raconter l’enfer que cela avait été pour lui d’arriver jusqu’en Algérie et de traverser à nouveau le désert en sens inverse. Et il avait dit cette phrase terrible : « je préfère mourir ici plutôt que de retourner dans mon pays. » Connaissant le Togo, pouvais-je le blâmer ? Il ne faut pas se voiler la face : nos pays africains ont dans leur ensemble lamentablement échoué. Et tous les bras valides cherchent à les fuir. L’Afrique du sud qui semblait s’en sortir mieux que les autres a été envahie par les pauvres des autres pays africains, réveillant ainsi les sentiments xénophobes des habitants de ce pays dont plusieurs vivent dans une misère encore plus grande. Les Noirs africains qui vivent dans les pays du nord du continent, qui semblent eux aussi mieux s’en sortir, vivent un racisme des plus cruels, que nos intellectuels ne dénoncent curieusement pas avec autant de vigueur que celui qui sévit en France. On se souvient tous des pogroms organisés en Libye, au moment justement où le dirigeant de ce pays se voulait le chantre le l’Union africaine. Non, on ne peut pas en vouloir à ces jeunes gens d’aller chercher, au péril de leurs vies, un lendemain moins cruel que leur présent. Même si le plus souvent, à destination, le rêve se transforme en cauchemar. Que font-ils ici ? Quelles opportunités leur sont-elles données de participer à la construction de leurs pays ? Qu’offrons-nous comme avenir aux milliers de jeunes gens qui sortent chaque année de nos universités ? Et pourtant, l’Afrique est entièrement à construire. En principe, avec une population d’un milliards de personnes, l’Afrique devrait avoir davantage de bras pour cette oeuvre. Alors ? => L’ARTICLE

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