Ellen Johnson-Sirleaf, Auszüge aus Reden, Teil I: Über ihr Land und sie selber

Deutsche Übersetzungen aus einem guten Dutzend ihrer Reden aus dem Zeitraum von 2006 bis Mitte 2010, also nach ihrer Wahl zur Präsidentin Liberias, und vor den totalen Schuldenerlässen von IWF, Weltbank und Pariser Club 2010. => Liberia hier im Afrikainfoblog
Diese Texte, thematisch in vier Teile aufgegliedert, sind Bestandteil meines Artikels “Wir Afrikaner müssen den Preis für Demokratie selber bezahlen – afrikanische Texte zu 50 Jahren Unabhängigkeit”; sie sind aus Speicherplatzgründen hier separat veröffentlicht.
Die Auszüge sind so ausgewählt und zusammengesetzt, dass Sie sie fast wie ein einziges Manuskript von oben nach unten durchlesen können.
Zur Qualität der Übersetzungen: sie ist gut, vor allem 100%ig korrekt, aber etwas unter meinem optinalen Niveau. Wenn Sie die Quantität in diesem Vierteiler betrachten, werden Sie verstehen, dass ich, im Unterschied zu den anderen drei Texten im Hauptartikel, aus Zeitgründen diesmal oft automatische Google-Übersetzungen in korrektes Deutsch umgeschrieben habe, anstatt alles manuell in wahrscheinlich stilistisch etwas besseres Deutsch zu übersetzen.

Hinweise:
Ellen Johnson Sirleaf ist seit dem 16. Januar 2006 gewählte Präsidentin der Republik Liberia. Englischsprachigen Leserinnen und Lesern empfehle ich die reichhaltige Webseite “Liberia: Past and Present”.
Einen kleinen Artikel über diese “Powerfrau” finden Sie auch ganz unten in meinem Beitrag “schreibt den kongolesischen Frauen”.
Ellen wird 2011 wieder kandidieren, entgegen ihrer früheren Aussage dies nicht zu tun. Nach Lektüre ihrer Reden werden Sie mir zustimmen, dass das nichts mit Machtliebe zu tun hat, sondern ihre frühere Aussage voreilig getroffen war: schon in reicheren Ländern mit viel weniger Problemen brauchen Politiker, die zu Verbesserungen motiviert sind, mehr als eine Amtszeit.
Für mich ist sie eine der besten politischen Kräfte und Personen, die Afrika bislang vorgebracht hat, eher ein afrikanischer Jelzin als Gorbatschow, denn ihre Legitimation beruht bislang ausschließlich auf freier und demokratischer Wahl durch das Volk, auf eisenhartem Willen, den Übeln den Saft abzudrehen und letztendlich am Ende einer langen, sehr schwierigen Strecke für ihr Volk gearbeitet zu haben.
Mit meiner Aufnahme ihrer Texte in meinen Unabhängigkeitsartikel (obwohl Liberia schon sehr lange vor den anderen unabhängig war) und meiner Arbeit daran möchte ich also indirekt ihren nächsten Wahlkampf etwas unterstützen. Der Fairness und Korrektheit halber füge ich daher jetzt noch hinzu, dass sie auch kritisiert wird: in den 1980ern hatte sie während des ersten liberianischen Bürgerkriegs einen der späteren massenmörderischen Diktatoren zu dessen Oppositionszeit einmal finanziell unterstützt, dies aber schon kurz darauf öffentlich bedauert und erklärt, sie habe vorschnell trotz Zweifeln an der Person einem ersten guten Eindruck über die Pläne Charles Taylors nachgegeben. Antikapitalistische Kritiker verweisen auch auf ihre Mitarbeit bei Weltbank und IWF. In ihrem Buch “mein Leben für Nigeria” können Sie aber nachlesen, was sie dort für Funktionen innehatte, was sie getan hat und was sie der Leitung der Institutionen gegenüber für Positionen vertrat, energisch vertrat, was auch zu teilweisen Korrekturen derer Politiken beitrug.

TEIL I: hier
=> TEIL II: Über Korruption, gute Regierungsführung und Ethik
=> TEIL III: Über Landwirtschaft, Armut und Bildung
=> TEIL IV: Über afrikanische Frauen und Politik für sie, über Frauen in Führungspositionen
Damit Sie sich die Auszüge nicht selber aus den Originaltexten herausklambüsern müssen, ist am Ende jedes Auszuges der link zur kompletten Rede, am Ende jedes Teil aber auch der englische Text nur der deutschen Übersetzungen.

März 2006, Rede vor dem US-Kongress:
[…]Das Nationalmotto von Liberia – das, wie Sie wissen, von befreiten amerikanischen Sklaven gegründet wurde – ist “Die Liebe zur Freiheit brachte uns hierhin”. Wir wurden die erste unabhängige Republik Afrikas. Unsere Hauptstadt Monrovia ist nach Ihrem Präsidenten James Monroe benannt. Unsere Verfassungen und unsere Gesetze wurden an Ihre angelehnt. Lange Zeit war der US-Dollar unsere offizielle Währung und heute noch ist er im Gebrauch neben dem Liberian Dollar. […]

Lange vor dem Herbst 2003 brachte uns unsere spetielle Beziehung zu den Vereinigten Staaten Gewinne. Tausende unserer Bürgerinnen und Bürger, inklusive meinerselbst, wurden in amerikanischen Missionarsschulen erzogen und gingen für höhere Studien in Ihr Land. Sie haben zehntausende unserer Leute generös willkommen geheissen, als sie vor Krieg und Verfolgung flohen.

Ich gehörte dazu. 1985 kam ich mit einigen anderen Universitätsstudenten, die die Militärherrschaft auch herausforderten, ins Gefängnis, nachdem ich gegen die Weigerung des Militärregimes, meine politische Partei zu registrieren, protestiert hatte. Dieses Hohe Haus kam mit einer Resolution, die den Stopp aller Hilfen bis zur Befreiung aller politischen Gefangenen androhte, zu unserer Rettung. Monate später wurde ich wieder inhaftiert, dieses Mal in eine Gemeinschaftszelle mit 15 Männern. Einige Stunden später wurden sie alle exekutiert. Mich bewahrte nur das Einschreiten eines einzigen Soldaten vor einer Vergewaltigung durch einen anderen. Durch die Gnade des Allmächtigen Herrn und dank anderer entkam ich und fand hier, in Washington D.C. Zuflucht. Aber schon lange zuvor profitierten Ihr Land und ich von Liberia’s besonderer Beziehung mit den Vereinigten Staaten.

Meine Familie steht beispielhaft für die wirtschaftliche und soziale Kluft, die unsere Nation zerrissen hat. Im Unterschied zu vielen privilegierten Liberianern kann ich behaupten, nicht amerikanischer Abstammung zu sein. Drei meiner Großeltern waren einheimische Liberianer, der vierte war ein Deutscher, der eine Marktfrau vom Lande heiratete. Dieser Großvater war gezwungen, das Land zu verlassen, als Liberia – in Treue zu den Vereinigten Staaten – Deutschland 1914 den Krieg erklärte.

Meine beiden Großmütter waren Bäuerinnen und Dorf-Händlerinnen. Sie konnten nicht lesen und schreiben, in keiner Sprache – mehr als drei Viertel unseres Volkes können es heute immer noch nicht – aber sie arbeiteten hart, sie liebten ihr Land, sie liebten ihre Familien und sie glaubten an die Bildung. Sie inspirierten mich dann, und die Erinnerung an sie motiviert mich nun, meinem Volk zu dienen, der Welt ein Opfer zu bringen und ehrlich der Menschheit zu dienen. Ich konnte nicht, ich werde nicht – ich kann nicht – ihr Vertrauen verraten.

Meine Eltern waren in jungen Jahren nach Monrovia geschickt worden, wo es üblich war für Familien der Elite, Kinder vom Land aufzunehmen, um Hausarbeiten durchzuführen. Sie ertrugen Demütigungen und Erniedrigungen, aber meine Mutter hatte das Glück, von einer netten Frau adoptiert zu werden, und beide meiner Eltern haben über dieses System in die Schule gehen können – in dieser Zeit eine Seltenheit für arme Menschen. Mein Vater wurde sogar der erste einheimisch geborene Liberianer in der liberianischen Nationalversammlung.

Ich wurde nicht geboren mit der Erwartung einer Hochschulausbildung an der Harvard oder ein Mitarbeiter der Weltbank oder ein stellvertretender Generalsekretär der Vereinten Nationen zu werden. Als ich ein kleines Mädchen auf dem Lande war, schwamm und mit aus Palmen gemachten Schnüren angelte, hätte mich niemand als der künftige Präsident des Landes angesehen. Ich lernte an der High School für Westafrika, eine Evangelisch-methodistische High School. Ich arbeitete später als Kellnerin, um mein Studium in den Vereinigten Staaten zu unterstützen – College in Wisconsin und Graduate School in Massachusetts. Ich habe die Vorteile und Vorzüge einer erstklassigen Ausbildung genossen.

Also stehen meine Beine in zwei Welten – die Welt der armen ländlichen Frauen ohne Atempause der Not, und die Welt der erfolgreichen liberianischen Professionellen, für die die Vereinigten Staaten eine zweite und geliebte Heimat sind. Ich ziehe Kraft aus beiden. Aber die meisten unserer Leute haben nicht so viel Glück gehabt wie ich. Immer armen und unterentwickelt gewesen, entsteigt Liberia erst jetzt aus zwei Jahrzehnten der Unruhen, die alles zerstörten, was wir in einem und einem halben Jahrhundert der Unabhängigkeit zu bauen vermocht hatten.

Die Kosten unseres Konfliktes sind breit und tief, sie manifestieren sich in vielfältiger Weise – Misswirtschaft, Korruption, schlechte Regierungsführung, massive Plünderung der Staatskasse und des Nationalvermögens. Im Gegensatz zu den Tsunami in Asien und Katrina hier im eigenen Land, wo die Zerstörung und die menschlichen Opfer durch die Natur verursacht wurden, nahmen wir an unserer eigenen Selbstzerstörung teil oder standen schweigend daneben.

In den Monaten des Wahlkampfes…

kam ich von Angesicht zu Angesicht mit den menschlichen Verwüstungen des Krieges, der ein Viertel, eine Million unserer drei Millionen Menschen, getötet hat und die meisten der übrigen zu Vertriebenen machte. Hunderttausende waren über die Grenzen hinweg entkommen. Mehr – wer das nicht konnte – gingen in den Busch, ständig auf der Flucht vor einer Miliz oder einer anderen, oft überlebten sie durch den Verzehr von Nagetieren und Wildpflanzen, die sie krank machten oder sogar töteten. Unsere kostbaren Kinder starben an Malaria, Parasiten und schlechter Ernährung. Unsere Jungs, voller Potenzial, wurden gezwungen, Kindersoldaten zu werden, zu töten oder getötet zu werden. Unsere Mädchen, doch fähig zu allem was Sie sich vorstellen können, wurden zu Sexsklaven gemacht, massenvergewaltigt von Männern mit Gewehren, zu Müttern gemacht, während sie selber noch Kinder waren.

Aber wenn ich die Hoffnungen und Träume unserer Leute höre, erinnere mich ich der Worte eines mosambikanischen Dichters, der sagte: “Unser Traum hat die Größe der Freiheit.” Mein Volk, wie Ihr Volk, glaubt zutiefst an die Freiheit – und in ihren Träumen, greifen sie zu den Himmeln. Ich repräsentiere diese Träume. Ich vertrete ihre Hoffnung und ihre Sehnsüchte. Ich habe für das Präsidentenamt kandidiert, weil ich entschlossen bin, in Liberia verantwortungsvolle Staatsführung noch zu meinen Lebzeiten zu sehen. Aber ich habe auch kandidiert, weil ich die Mutter von vier Kindern bin, und unsere Kinder wieder lächeln sehen will.

Schon sehe ich sie lächeln. Denn auch nach allem, was sie erlitten haben, haben die Menschen in Liberia den Glauben an einen neuen Anfang. Sie zählen auf mich und meine Verwaltung, dass wir Bedingungen schaffen, die die Verwirklichung ihrer Träume garantieren werden. Wir dürfen ihr Vertrauen nicht verraten. Alle Kinder, die ich treffe, sagen, wenn ich frage, was sie am meisten wünschen: “Ich will lernen”. “Ich will zur Schule gehen.” “Ich möchte eine Ausbildung.” Wir dürfen ihr Vertrauen nicht verraten.

Junge Erwachsene, die unsere “verlorene Generation” genannt wurden, halten sich nicht für verloren. Auch sie streben an zu lernen und ihren Familien und ihren Gemeinden zu dienen. Wir dürfen ihr Vertrauen nicht verraten. Frauen, meine starke Wählerschaft, sagen mir, dass sie die gleichen Chancen wie die Männer haben wollen. Sie wollen lesen und schreiben. Sie wollen ihre Arbeit anerkannt sehen. Sie wollen den Schutz gegen Vergewaltigung. Sie wollen sauberes Wasser, das ihre Kinder nicht krank macht und tötet. Wir dürfen ihr Vertrauen nicht verraten.

Ehemalige Soldaten sagen mir, sie sind des Krieges müde, sie wollen nicht kämpfen müssen, oder wieder zu fliehen. Sie wollen Ausbildung. Sie wollen Arbeitsplätze. Wenn sie eine Waffe tragen, dann wollen sie dies zur Verteidigung von Frieden und Sicherheit, nicht für Krieg und Plünderung. Wir dürfen ihr Vertrauen nicht verraten. Unternehmer, die aus dem Ausland mit all ihren Ressourcen zurückgekehrt sind – alles riskieren, um in die Zukunft ihres Landes zu investieren – sagen mir, dass sie faire und transparente rechtliche Rahmenbedingungen wollen. Sie wollen Ehrlichkeit und Verantwortlichkeit von ihrer Regierung. Wir dürfen ihr Vertrauen nicht verraten.

Bauernfamilien, die vor dem Krieg in Nachbarländer flohen oder sich aus ihren Gemeinden vertrieben fanden, wollen einen Neuanfang. Sie wollen nach Hause zurückkehren. Sie wollen Samen. Sie wollen Ackergeräte. Sie wollen Straßen, um ihre Waren auf den Markt zu bringen. Wir dürfen ihr Vertrauen nicht verraten. Ich habe viele Versprechen zu halten. Weil ich die Wahlen in einem freien und friedlichen Prozess gewonnen habe, muss ich die Freiheit und den Frieden bewahren. Da ich gegen die Korruption Wahlkampf machte, muss ich eine Regierung führen, die sie zügelt. Als ich mit dem massiven Abstimmung von Frauen gewählt wurde, muss ich ihnen versichern, dass ihre Bedürfnisse erfüllt werden.

Wir sind nicht blind gegenüber dem großen Ausmaß der Herausforderungen, vor denen wir stehen. Nur wenige Länder wurden so dezimiert wie unseres. In den Wirren des Krieges haben sich unsere HIV-Raten vervierfacht. Unsere Kinder sterben immer noch an heilbaren Krankheiten wie Tuberkulose, Ruhr, Masern, Malaria und Parasiten und Unterernährung. Den Schulen fehlen Bücher, Ausrüstung, Lehrer und Gebäude. Das Telekommunikations-Zeitalter ist an uns vorbeigegangen. Wir haben 3,5 Milliarden Dollar Auslandsschulden, in hohem Maße von einigen meiner Vorgänger, die bekanntermaßen unverantwortlich, unberechenbar, nicht repräsentativ und korrupt waren, geliehen. Die Realität, dass wir unsere internationale Kreditwürdigkeit verloren haben, entfernt uns uns von weiteren Krediten – auch wenn wir sie jetzt mit Bedacht verwenden möchten.

Unsere reichlich vorhandenen natürlichen Ressourcen sind durch kriminelle Verschwörung zur Erlangung privater Vorteile umgeleitet worden. Internationale Sanktionen, für den besten Grund verhängt, hindern uns jedoch noch am Export unserer Rohstoffe. Straßen und Brücken sind verschwunden oder wurden ausgebombt oder weggespült. Wir wissen, dass es außerhalb unserer Grenzenwieder einmal zu Konflikten kommen kann. Die körperlichen und geistigen Narben des Krieges sind in der Tat sehr tief.

Also, mit allem, was zu tun ist, was müssen wir als Erstes tun? […]
Auszüge aus: President Ellen Johnson Sirleaf’s Speech to the U.S. Congress, Delivered March 15, 2006

Rede vor Studenten Universität Toronto, Kanada, März 2007

In den letzten zwei Jahrzehnten lernte man Liberia als ein Land der politischen Komödie kennen, mit weit verbreiteter Korruption und unvorstellbarer Brutalität, die das Potenzial unseres Volkes untergruben und die Bemühungen unserer Vorfahren verhöhnten, eine Nation aufzubauen, wo die Menschen unserer Rasse eine Zuflucht vor den Unwägbarkeiten der Natur und der Demütigung und Erniedrigung der Knechtschaft finden konnten. Unser Land wurde das befremdliche Filmmaterial, das mit all den schrecklichen Bildern der Grausamkeit auf den Fernsehschirmen flackerte. Unsere Leute wurden zu Flüchtlingen und flohen in alle Ecken des Globus ins Asyl. Es war eine Zeit der Dunkelheit und des Wahnsinns.

Die Ursprünge des liberianischen Konflikt können auf die verschiedenen Formen der Ausgrenzung und Marginalisierung, die Liberia die meiste Zeit seiner Existenz als ein Land über kennzeichneten, zurückgeführt werden. Die politische Macht wurde im Wesentlichen in Monrovia und in erster Linie auf die Präsidentschaft konzentriert. Die Überkonzentration von Macht und ein geschlossenes politisches System der Korruption, eingeschränkter Zugang zu den Entscheidungsprozessen, begrenzten den Raum für die Beteiligung der Zivilgesellschaft am Prozess der Regierungsführung und heizten ethnische und Klassen- Animositäten und Rivalitäten an.

Die Ausgrenzung und Marginalisierung griff auch auf die Wirtschaft über. In den frühen Tagen waren Land- und Eigentumsrechte der Mehrheit der Liberianer stark eingeschränkt. Später wurde die Marginalisierung durch die stadtbezogene Politik der aufeinanderfolgenden Verwaltungen verewigt. So wurde der Großteil der Infrastruktur und Grundversorgung in Monrovia und ein paar anderen Städten konzentriert und ölten eine ungleichmäßige Entwicklung und eine dualistische Wirtschaft mit einem großen Zwiespalt zwischen städtischen und ländlichen Gebieten. Es gab eine ungleiche Verteilung des Volksvermögens. Marginalisierung von Jugendlichen und Frauen, grobe Misswirtschaft und Unausgewogenheit bei der Verteilung der Profite aus nationalen Ressourcen wurden ebenfalls große Probleme. Diese Realitäten und die Abhängigkeit des Landes von einem kleinen Bereich der natürlichen Ressourcen kompliziert die Situation und säte schließlich die Samen, die den 14-jährigen gewaltsamen Konflikt antrieben.
Auszug aus: Stand with us, Canada: What gives Liberia Hope? Address to Students and Faculty Delivered by H.E. Ellen Johnson Sirleaf President of the Republic of Liberia at the University of Toronto March 29, 2007

Rede bei Politikkonferenz in Kanada, März 2007:
Doch so klein wir sind, gehören die Probleme und Entscheidungen, die wir konfrontieren, zu den wichtigsten, denen die Welt in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts gegenübersteht.

* Wir versuchen die Wende in einem Land, das durch Krieg und innere Konflikte zerrissen wurde, um Frieden, Stabilität und Sicherheit wiederherzustellen.
* Wir versuchen, aus einer Regierung mit einer langen Liste von grober Misswirtschaft und weit verbreiteter Korruption wieder eine Regierung, die transparent ist und rechenschaftspflichtig für alle ihre Bürger, zu machen.
* Wir versuchen, in einem Land, das in tiefer Armut steckt, grundlegende wirtschaftliche und soziale Chancen für alle Bürger zu schaffen.
* Und wir versuchen die Wende in einem Land, das durch internationale Kriminelle und terroristische Netzwerke missbraucht wurde, um aus ihm ein verantwortungsvolles Mitglied der internationalen Gemeinschaft zu machen.
[….]
Wir sind außerdem entschlossen, die grundlegenden Menschenrechte wiederherzustellen und eine partizipative Demokratie aufzubauen, wo die Rechte respektiert werden, wo die Menschen am Regierungs-Prozess beteiligt sind, wo die Entscheidungen auf der Grundlage der Rechtsstaatlichkeit getroffen werden anstatt auf den Launen der Diktatoren, und wo nationale Ressourcen zum Wohle aller genutzt werden.
Wir gründen unseren Wiederaufbau und unsere Entwicklung auf vier grundlegende Säulen:

* Stärkung von Frieden und Sicherheit
* Die Wirtschaft dynamisieren
* Stärkung der Governance und der Rechtsstaatlichkeit und
* Sanierung der Infrastruktur und Bereitstellung grundlegender Dienstleistungen.

Ich freue mich, Ihnen zu sagen, dass wir bereits deutliche Fortschritte in jedem dieser Bereiche verzeichnen können.
Auszug aus: Progressive Values, Practical Solutions and Policy Choices for the
21st Century
Keynote Address
by
Her Excellency Ellen Johnson Sirleaf
President of the Republic of Liberia
at
Canada 20/20 Public Policy Conference
Toronto, Canada
Tuesday, March 27, 2007

Wie oben, März 2006, Rede vor dem US-Kongress:
Ich weiß, dass meine Regierung über diese starken Anfänge hinausgehen muss, viel mehr tun muss als wir bisher getan haben, und wir es schnell tun müssen. Mut und Geduld unseres Volkes sind gewaltig, aber seine Erwartungen sind hoch. Und seine Bedürfnisse sind dringend. Dies bedeutet nicht, dass wir eine große Regierung wollen. Wir können es uns nicht leisten, und wir glauben, dass die Regierung sollte nicht zu tun versuchen, was Zivilgesellschaft und Wirtschaft besser machen können. Die Menschen in Liberia wissen, dass nicht die Regierung das Land retten kann – nur ihre eigene Kraft, ihre Entschlossenheit, ihre Kreativität, ihre Belastbarkeit und ihr Glaube können das tun. Aber sie haben das Recht auf das Wesentliche, dass nur eine Regierung stellen kann.

Sie haben das Recht auf eine Regierung, die ehrlich ist und das im Einklang mit der Heiligkeit des menschlichen Lebens. Sie brauchen und sie verdienen ein wirtschaftliches Umfeld, in dem ihre Anstrengungen erfolgreich sein können. Sie brauchen die Infrastruktur und Sicherheit, die sie benötigen. Vor allem brauchen sie den Frieden. Das ist die Aufgabe meiner Administration.
Auszüge aus: President Ellen Johnson Sirleaf’s Speech to the U.S. Congress, Delivered March 15, 2006

Weiter => Teil II: Über Hunger, gute Regierungsführung, Ethik, Korruption und soziale Verantwortung der Unternehmen

Originalausschnitte:

President Ellen Johnson Sirleaf’s Speech to the U.S. Congress
Delivered March 15, 2006

[…]The national motto of Liberia – founded, as you know, by freed American slaves – is “The Love of Liberty Brought us here.” We became the first independent Republic in Africa. Our capital, Monrovia, is named for your president James Monroe. Our flag is a star in a blue field and red and white stripes – its one star makes us the lone star state in Africa. Our constitution and our laws were based upon yours. The U.S. dollar was long our legal tender and still is used alongside the Liberian dollar today.
… Our special relationship with the United States brought us benefits long before the autumn of 2003. Thousands of our people, including myself, have been educated in American missionary schools and gone on to higher training in this country. You have generously welcomed tens of thousands of our people as they fled war and persecution.

I was among them. In 1985, after challenging the military regime’s failure to register my political party, I was put in jail with several university students who also challenged the military rule. This House came to our rescue with a resolution threatening to cut off aid to the country unless all political prisoners were released. Months later, I was put in jail again, this time in a cell with 15 men. All of them were executed a few hours later. Only the intervention of a single soldier spared me from rape. Through the grace of Almighty God and the mercy of others, I escaped and found refuge here, in Washington, D.C. But long before that, our country and I benefited from Liberia’s special relationship with the United States.

My family exemplifies the economic and social divide that has torn our nation. Unlike many privileged Liberians, I can claim no American lineage. Three of my grandparents were indigenous Liberians; the fourth was a German who married a rural market woman. That Grandfather was forced to leave the country when Liberia – in loyalty to the United States – declared war on Germany in 1914.

Both of my grandmothers were farmers and village traders. They could not read or write any language – as more than three-quarters of our people still cannot today – but they worked hard, they loved their country, they loved their families and they believed in education. They inspired me then, and their memory motivates me now to serve my people, to sacrifice for the world and honestly serve humanity. I could not, I will not – I cannot – betray their trust.

My parents were sent at a young age to Monrovia, where it was common for elite families to take in children from the countryside to perform domestic chores. They endured humiliations and indignities, but my mother was fortunate to be adopted by a kind woman, and both my parents were able through this system to go to school – a rarity at that time for poor people. My father even became the first native Liberian in the Liberian National Legislature.

I was not born with the expectation of a University education from Harvard or being a World Bank officer or an Assistant Secretary-General of the United Nations. When I was a small girl in the countryside, swimming and fishing with twine made from palm trees, no one would have picked me out as the future president of our country. I graduated from the College of West Africa, a United Methodist high school. I waited tables to support my studies in the United States – college in Wisconsin and graduate school in Massachusetts. I went on to enjoy the benefits and advantages of a world-class education.

So my feet are in two worlds – the world of poor rural women with no respite from hardship, and the world of accomplished Liberian professionals, for whom the United States is a second and beloved home. I draw strength from both. But most of our people have not been as fortunate as I was. Always poor and underdeveloped, Liberia is only now emerging from two decades of turmoil that destroyed everything we managed to build in a century and a half of independence.

The cost of our conflict run wide and deep, manifested in varied ways – mismanagement, corruption, bad governance, massive looting of public treasury and assets. Unlike the Tsunami in Asia and Katrina here in your own country, where the destruction and human casualty were caused by nature, we participated in or stood silently by in our own self destruction.

In the campaign months,….

I came face to face with the human devastation of war, which killed a quarter of a million of our three million people and displaced most of the rest. Hundreds of thousands escaped across borders. More – who could not – fled into the bush, constantly running from one militia or another, often surviving by eating rodents and wild plants that made them sick and even killed them. Our precious children died of malaria, parasites and mal-nourishments. Our boys, full of potential, were forced to be child soldiers, to kill or be killed. Our girls, capable of being anything they could imagine, were made into sex slaves, gang-raped by men with guns, made mothers while they were still children themselves.

But listening to the hopes and dreams of our people, I recall the words of a Mozambican poet who said, “Our dream has the size of freedom.” My people, like your people, believe deeply in freedom – and, in their dreams, they reach for the heavens. I represent those dreams. I represent their hope and their aspirations. I ran for president because I am determined to see good governance in Liberia in my lifetime. But I also ran because I am the mother of four, and I wanted to see our children smile again.

Already, I am seeing those smiles. For even after everything they have endured, the people of Liberia have faith in new beginnings. They are counting on me and my administration to create the conditions that will guarantee the realization of their dreams. We must not betray their trust. All the children I meet – when I ask what they want most – say, “I want to learn.” “I want to go to school.” “I want an education.” We must not betray their trust.

Young adults, who have been called our ‘lost generation,’ do not consider themselves lost. They, too, aspire to learn and to serve their families and their communities. We must not betray their trust. Women, my strong constituency, tell me that they want the same chances that men have. They want to be literate. They want their work recognized. They want protection against rape. They want clean water that won’t sicken and kill their children. We must not betray their trust.

Former soldiers tell me they are tired of war; they do not want to have to fight or to run again. They want training. They want jobs. If they carry guns, they want to do so in defense of peace and security, not war and pillage. We must not betray their trust. Entrepreneurs who have returned from abroad with all their resources – risking everything to invest in their country’s future – tell me they want a fair and transparent regulatory environment. They want honesty and accountability from their government. We must not betray their trust.

Farming families who fled the fighting for shelter in neighboring countries or found themselves displaced from their communities want a fresh start. They want to return home. They want seeds. They want farm implements. They want roads to get their goods to market. We must not betray their trust. I have many promises to keep. As I won elections through a free and peaceful process, I must preserve freedom and keep the peace. As I campaigned against corruption, I must lead a government that curbs it. As I was elected with the massive vote of women, I must assure that their needs are met.

We are not oblivious to the enormity of the challenges we face. Few countries have been as decimated as ours. In the chaos of war, our HIV rates have quadrupled. Our children are still dying of curable diseases, tuberculosis, dysentery, measles, malaria and parasites and malnutrition. Schools lack books, equipment, teachers and buildings. The telecommunications age has passed us by. We have a 3.5 billion dollar external debt, lent in large measure to some of my predecessors who were known to be irresponsible, unaccountable, unrepresentative and corrupt. The reality that we have lost our international creditworthiness bars us from further loans – although now we would use them wisely.

Our abundant natural resources have been diverted by criminal conspiracies for private gain. International sanctions, imposed for the best of reasons, still prevent us from exporting our raw materials. Roads and bridges have disappeared or been bombed or washed away. We know that trouble could once again breed outside our borders. The physical and spiritual scars of war are deep indeed.

So with everything to be done, what must we do first? […]
http://theliberiandialogue.org/articles/c031706tws.htm

For the past two decades, the world has come to know Liberia as a land of political comedy, widespread corruption and unimaginable brutality that have sapped the potential of our people and made a mockery of the efforts of our forefathers to build a nation wherein the people of our race could find refuge from the uncertainties of nature and the humiliation and degradation of bondage. Our country became the strange footage that flickered on television screens with all the terrible images of savagery. Our people became refugees and fled to all corners of the globe for shelter. It was a period of darkness and insanity.

The origins of the Liberian conflict can be traced back to the various forms of exclusion, and marginalization, which have characterized Liberia for most of its existence as a country. Political power was concentrated essentially in Monrovia and primarily at the Presidency. The over concentration of power and a closed political system bred corruption, restricted access to the decision making process, limited the space for civil society participation in the process of governance, and fuelled ethnic and class animosities and rivalries.

The exclusion and marginalization extended to the economy as well. In the early days, land and property rights of the majority of Liberians were severely limited. Later, marginalization was perpetuated by the urban-biased policies of successive administrations. For instance, most of the infrastructure and basic services were concentrated in Monrovia and a few other cities fuelling an uneven development and a dualistic economy with a major dichotomy between urban and rural areas. There was an uneven distribution of the nation?s wealth. Marginalization of youth and women, gross mismanagement, and perceived inequalities in the distribution of benefits from national resources were also major problems. These realities and the dependence of the nation on a small range of natural resources complicated the situation and eventually sowed the seeds that fuelled the 14-year violent conflict.
http://www.emansion.gov.lr/doc/stand_with_us.pdf

But while we are small, the issues and choices we confront are amongst the most important facing the world in the early part of the 21st century.

? We are trying to turn around a country that has been torn by war and internal conflicts, to restore peace, stability, and security.
? We are trying to turn around a government with a long record of gross mismanagement and widespread corruption, to create a government that is transparent and accountable to all of its citizens.
? We are trying to turn around a country that is mired in deep poverty to establish basic economic and social opportunities for all its citizens.
? And we are trying to turn around a country that has been abused by international criminals and terrorist networks to make it a responsible member of the international community.
….
We are also determined to restore basic human rights, and to build an inclusive democracy in which rights are respected; people are engaged in the governance process; decisions are based on the rule of law rather than the whims of dictators, and national resources are used for the benefit of all.
We are basing our reconstruction and development on four basic pillars:

? Enhancing Peace and Security
? Revitalizing the Economy
? Strengthening Governance and the Rule of Law, and
? Rehabilitating Infrastructure and Delivering Basic Services.

I am pleased to tell you that we are already making significant progress in each of these areas.
http://www.emansion.gov.lr/doc/Canada_2020_%20speech_3_28.pdf

I know that my government must go beyond these strong beginnings; must do much more than we have done so far, and we must do it quickly. Our people’s courage and patience are formidable, but their expectations are high. And their needs are urgent. This does not mean that we want big government. We cannot afford it, and we believe that government should not attempt to do what civil society and business can do better. The people of Liberia know that government cannot save the country – only their own strength, their determination, their creativity, resilience and their faith can do that. But they have the right to expect the essentials that only a government can provide.

They have the right to a government that is honest and that respects the sanctity of human life. They need and they deserve an economic environment in which their efforts can succeed. They need infrastructure and they need security. Above all, they need peace. That is the task of my administration.
http://theliberiandialogue.org/articles/c031706tws.htm

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