Was ist Françafrique ? Definition, Erklärungen, Deutungen, Buch

Die gegenwärtige französische (Sarkozy-) Afrikapolitik bietet dem Beobachter ein ambivalentes Bild:
francafriqueeinerseits alte, zumindest überhebliche und nicht widerrufene Diskurse sowie ökonomisch ausgerichtete Geopolitik wie immer schon, andererseits deutliche und für Afrika sehr positive Indizien dafür, dass Frankreich selber dem Phänomen Françafrique ein Ende setzen möchte.

=> Tipp, aktuell Sept 2011: Geldkoffer Chirac Villepin Francafrique malettes d’argent TV-INTERVIEW ROBERT BOURGI (Video fr m. deutschen Untertiteln)

Gegenstand dieses Artikels ist nicht diese meine Ansicht – für Widerspruch, Fragen und Diskussion, eventuell für Belege meinerseits, gibt es unten den offenen Kommentarbereich.
Gegenstand hier oben ist der Versuch, dem deutschsprachigen, nicht-frankophonen Publikum “Françafrique” zu erklären.

Der Ausdruck spielt in vielen – teilweise erhitzten – Debatten in Frankreich und in großen Teilen Afrikas eine Rolle: alle heutigen nicht-afrikanischen Mächte wirken positiv oder/und oder negativ auf Afrika, keine jedoch so sichtbar wie Frankreich, so spontan wie eruiert, so konsequent wie inkonsequent.

Dieses Blog gründet zu 95% auf rudimentär deutsch übersetzten Beiträgen von AFP / TV5-Monde ; “Françafrique” wird hier oft angesprochen, mal direkt, sehr oft in Andeutungen.

Das französische Wikipedia bietet zwei exzellente Artikel dazu, die nun hier in deutscher Übersetzung dargeboten werden.
Wikipediaeinträge werden im Laufe der Zeit immer wieder verändert. Grundlage dieser Übersetzungen sind die Fassungen (bei wikipedia in der Artikelhistorie einsichtbar) aus Mai 2011.
http://fr.wikipedia.org/wiki/Fran%C3%A7afrique
http://fr.wikipedia.org/wiki/Fran%C3%A7afrique_%28livre%29

Ich danke meiner guten Freundin und Co-Autorin Reinhild Kim (aramata, Maliblog) für die folgenden beiden Übersetzungen.
Jedem Leser ist freigestellt, hier gefundene Informationen für das deutsche wikipedia zu verwenden; wir machen das nicht, weil wir keine Zeit und Energie in die dortigen Auseinandersetzungen bezüglich der Quellennachweise investieren können.

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1. Der Ausdruck ” Françafrique ” bezeichnet die Netzwerke französischen Einflusses in Afrika, die den diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und seinen ehemaligen afrikanischen Kolonien zugrunde liegen. Er deckt weitgehend den Raum der Frankophonie. Der Begriff scheint zum ersten Mal im Jahre 1955 vom ehemaligen Präsidenten der Cote d’ Ivoire, Felix Houphouet-Boigny, verwendet worden zu sein, um die guten Beziehungen mit der französischen Kolonialmacht anzuzeigen, deren Abgeordneter er war. Gleichzeitig kämpfter er für die Unabhängigkeit seines Landes [Ref. benötigt]. Die Politik der Françafrique, eingeschlossen deren Unterstützung für Diktaturen, geht heute noch weiter unter Nicolas Sarkozy [1].

Françafrique beinhaltet Veruntreuung von Geldern, die Unterstützung von Diktatoren, politische Morde, die der französischen Öffentlichkeit verschleiert bleiben. So hat Frankreich diejenigen unterstützt, die den Völkermord in Ruanda begangen [2]. Dieses System ermöglicht den französischen Multis den direkten Zugriff auf Ressourcen in Afrika [3]. Der Begriff Françafrique wurde durch das Buch Françafrique popularisiert, das den französischen Neokolonialismus anprangert [4].

Länder [Bearbeiten]
Alle Länder im frankophonen Afrika, nämlich:

Togo, Kongo – Brazzaville, Demokratische Republik Kongo, Ruanda, Senegal, Côte d’ Ivoire, Kamerun, Tschad, Komoren, Gabun, Burkina Faso, Madagaskar, Benin, Tunesien, Marokko, Guinea, Niger, Dschibuti, Mali, die Zentralafrikanische Republik, Mauretanien, Guinea, Algerien

Diplomatie [Bearbeiten]
Das Netzwerk der französischen Konsulate ist sehr dicht in Afrika, obwohl es generell in der ganzen Welt dicht ist (das zweitgrößte nach den USA).

Entwicklungshilfe [Bearbeiten]
Die französische Entwicklungshilfe für Afrika konzentriert sich auf zwei Organisationen: die AFD, die die Mittel im zwischenstaatlichen Bereich verwaltet, und PROPARCO, die den privaten Sektor in den Entwicklungsländern finanziert. (Ed.: AFD = l’Agence Française de Développement)

DVD (frz)

Militärabkommen [Bearbeiten]
Sicherheitsabkommen [5], die zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit unterzeichnet wurden, bilden den Rahmen der militärischen Zusammenarbeit zwischen Frankreich und verschiedenen afrikanischen Ländern. Diese Abkommen greifen manchmal in ihren Anhängen weitläufig auf wirtschaftliches Gebiet über und werden oft durch besondere Abkommen ergänzt[6], die geheim bleiben.

Zum Beispiel das Verteidigungsabkommen zwischen den Regierungen der Französischen Republik, der Republik Côte d’Ivoire, der Republik Dahomey und der Republik Niger [7] vom 24. April 1961, legt die Stationierung französischer Truppen in diesen drei Ländern fest, ebenso deren Bewegung und Nutzung der Infrastruktur zu erleichtern, und spricht von “Sonderabkommen”, unter denen die drei Länder die Unterstützung Frankreichs bei der Verteidigung anfordern können. Im zweiten Anhang zu diesem Verteidigungsabkommen, der sich auf “Rohstoffe und strategische Produkte” (Öl, Uran, Lithium …) bezieht, heißt es, dass diese Länder “zum Zwecke der Verteidigung ihren Verkauf vorrangig der französischen Republik vorbehalten nach Erfüllung der Bedürfnisse ihres internen Verbrauchs und vorrangig in Frankreich einkaufen” und “wenn dies im Interesse der Verteidigung liegt, schränken sie die Ausfuhr in andere Länder ein oder verbieten diese”.

Zurzeit gibt es fünf französische Militärbasen in Afrika (vorpositionierte Kräfte) (Ed.: für forces prépositionnées findet man keine verständliche Übersetzung), in Dakar, N’Djamena, Djibouti, Libreville und Abidjan, dazu die, die sich in den französischen Territorien Mayotte und Reunion befinden. Die Basis in N’Djamena soll im Rahmen der französischen Militärumschichtung in Afrika bald geschlossen werden.

Politik und Business-Netzwerke [Bearbeiten]

Die afrikanische Zelle im Elysée [Bearbeiten]
Die Afrika-Politik Frankreichs, wird seit über fünfzig Jahren im Elysée erarbeitet, oder besser gesagt, in der afrikanischen Zelle des Elysee (Straße des Elysée Nr.6), wo der Präsident und seine Berater insbesondere über militärische Hilfen für die afrikanischen Länder oder die Regimes, die sie regieren, entscheiden. Die afrikanische Zelle ist untrennbar mit ihrem Gründer, Jacques Foccart, verbunden, ernannt von General de Gaulle und angebliche Inspiration für Jacques Chirac (der ihn zu Beginn seiner Amtszeit jeden Tag am Telefon gehabt haben soll). Der älteste Sohn von François Mitterrand, Jean-Christophe Mitterrand, ein ehemaliger AFP-Journalist in Afrika, hat von 1986 bis 1992 den Posten des Beraters für afrikanische Angelegenheiten im Elysee inne, im Kabinett seines Vaters, was ihm in Afrika zu dem Spitznamen “Papamadi” verholfen hat (Ed.: nach Papa m’a dit – Papa hat mir gesagt).

Die Elf-Affaire [Bearbeiten]
Die Firma für Bergbau-und Öl-Verteilung Elf-Aquitaine war in zahlreichen Fällen in Medienaffairen verwickelt, wie die Affaire der Schnüffelflugzeuge „avions renifleurs“ (Ed.: http://en.wikipedia.org/wiki/Great_Oil_Sniffer_Hoax ) in den frühen 1980er Jahren. Was man die “Elf-Affäre” nennt, ist eine umfangreiche und lange Affaire politischer und finanzieller Skandale, die im Jahr 1994 aufflog, nach einer Untersuchung durch die Kommission für Börsentätigkeiten (jetzt AMF), über die Finanzierung des Unternehmens Textil Bidermann durch Elf zwischen 1989 und 1993. Die Untersuchung der Richterin Eva Joly brachte schnell ein eindrucksvolles Netz von Bestechung ans Licht, wobei Politiker und große Bosse beschuldigt wurden. Das Unternehmen mit Sitz in Frankreich hat sich im Zuge der Fusionen zu einem Öl-Giganten entwickelt und soll vom Wohlwollen der französischen Exekutive profitiert haben, die die Ölversorgung als eine strategische Domäne ansieht.
Vgl. auch den Artikel: Elf-Affäre (Ed.: nur en français http://fr.wikipedia.org/wiki/Affaire_Elf – aus dem der letzte Abschnitt stammt. Dort gibt es auch en Foto von Eva Joly während der Untersuchung) .

Die Affaire der Waffenlieferungen an Angola (bekannt als Angolagate) [Bearbeiten]
Angolagate bezeichnet den Waffenhandel sowjetischen und Französisch für eine Gesamtsumme von $ 790.000.000 an die angolanische Regierung von Präsident José Eduardo dos Santos im Jahr 1994, während der angolanische Bürgerkrieg zwischen der Volksbewegung zur Befreiung Angolas (MPLA) und der Nationalen Union für die völlige Unabhängigkeit Angolas (UNITA) wieder aufgenommen wurde. Das war ein Geschäft, bei dem viele französische Persönlichkeiten Provisionen eingestrichen haben, legitim oder nicht.

Dieser Handel wurde durch einen französisch-kanadischen Vermittler, Pierre Falcone, gesteuert, und einen franco-israelisch-kanadisch-angolanischen Geschäftsmann russischen Ursprungs, Arcadi Gaydamak, der den russischen Geheimdiensten und einigen russischen Oligarchen nahestand. Der Rüstungskonzern Thomson und die Bank BNP Paribas waren beteiligt. Die Justiz wirft A. Gaydamak und Falcone P. vor, von 1993 bis 1998, mitten im Bürgerkrieg, Waffen aus dem ehemaligen Ostblock nach Angola verkauft zu haben, ohne entsprechende Genehmigung des französischen Staates.

Unter den am 27. Oktober 2009 Verurteilten (sechs Freisprüche und 36 Verurteilungen) finden sich zusätzlich zu A. Gaydamak und P. Falcone, Charles Pasqua, Paul-Loup Sulitzer, Jean-Charles Marchiani und Jean-Christophe Mitterrand.

Vgl. auch den Artikel: Angolagate. (Ed.: http://fr.wikipedia.org/wiki/Angolagate et en anglais http://en.wikipedia.org/wiki/Mitterrand-Pasqua_affair )

Die Affaire der unrechtmäßigen Gewinne [Bearbeiten]
“Unrechtmäßig erworbene Gewinne” sind das Produkt krimineller Aktivitäten, die Managern eine Bereicherung erlaubt haben, das ihr Einkommen nicht rechtfertigen kann. Sie sind das Ergebnis von Unterschlagungen, Diebstahl oder unerlaubtem Transfer öffentlicher Gelder von Staatskonten auf ihre persönlichen Konten, von Korruption und Gewährung von Schmiergeldern in Form von Rückprovisionen.
(Ed.: Wo’s das überall gibt: http://dict.leo.org/forum/viewWrongentry.php?idThread=991819&idForum=17&lp=frde&lang=de ).
Die Täter verwenden oft Mechanismen der Verdunstung von undurchsichtigem Kapital, Garantien für Straffreiheit, insbesondere durch Steuer- sowie Justizoasen und die Komplizenschaft der entwickelten Länder.

Eine Studie des Katholischen Komitees gegen Hunger und für Entwicklung (CCFD), veröffentlicht im März 2007 [9], schätzt die von Führungskräften in den letzten Jahrzehnten unterschlagenen Vermögenswerte auf eine Summe zwischen 100 und 180 Milliarden Dollar. Und Mobutu, Herrscher von Zaire von 1965 bis 1997, hatte bei seinem Tod im Jahr 1997 ein geschätztes persönliches Vermögen von 5 bis 6 Milliarden US-Dollar, hinterließ aber seinem Staat einen Schuldenberg von 13 Milliarden.

In Frankreich wurde nach Mobilisierung durch die Verbände Survie und Sherpa, unterstützt von Organisationen der Zivilgesellschaft des Kongo und Gabun, im Dezember 2008 Klage erhoben durch die NRO Transparence International [10]. Sie zielte auf die Bedingungen des Erwerbs eines bedeutenden Vermögens an Immobilien und Einrichtungsgegenständen in Frankreich durch drei afrikanische Staatschefs – Denis Sassou Nguesso von Kongo, Teodoro Obiang von Äquatorial-Guinea und dem verstorbenen Staatschef Omar Bongo von Gabun, sowie einige ihrer Angehörigen. Nach der NRO belief sich das Immobilienvermögen der drei Staatschefs in Frankreich auf 160 Millionen Euro. Der Bongo-Clan allein soll dreißig luxuriöse Wohnungen oder Häuser besitzen.

Diese Klage wurde als unzulässig von der Untersuchungskammer des Berufungsgerichts von Paris eingestuft, und blockiert so die Untersuchung durch die leitende Richterin des „pôle financier de Paris“ (Ed.:Abteilung für Finanzdelikte der Pariser Staatsanwaltschaft), Françoise Desset, mit der Einschätzung, dass der Kläger kein rechtliches Interesse zu handeln habe. Für Transparence International “besteht kein Zweifel, dass dieses Vermögen nicht durch die offiziellen Gehälter und Bezüge dieser Staatschefs gebildet werden konnte. Ihnen gegenüber gibt es den ernsthaften Verdacht auf Veruntreuung öffentlicher Gelder.”

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2. Françafrique (Buch)
Aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie.

La Françafrique, le plus long scandale de la République
(Françafrique , der längste Skandal der Republik) (ISBN 2234049482) ist ein Essay von François-Xavier Verschave, dem Autor vieler Bücher über die französisch-afrikanischen Beziehungen und dem ehemaligen Vorsitzenden der Vereinigung Survie. Dieses Buch wurde vom Verlag Stock 1998 veröffentlicht.

Das Konzept der Françafrique bei Verschave [Bearbeiten]

Vorstellung und Ursprung des Wortes [Bearbeiten]

Der ehemalige Präsident der Côte d’ Ivoire Félix Houphouët-Boigny prägte den Terminus France-Afrique (Frankreich-Afrika) im Jahre 1955 für die Beziehungen, die er mit Frankreich einrichten wollte. Der abgeleitete Terminus “Françafrique ” wurde später von François-Xavier Verschave geprägt. (Ed.: Verschave übernahm zwar den Begriff von Houphouët-Boigny, hat ihn jedoch mit dem Wortspiel France à fric – Frankreich mit dem Geld – bekannt gemacht.)

Der Autor beschreibt Françafrique als “nebulöses Konglomerat wirtschaftlicher, politischer und militärischer Akteure, in Frankreich und in Afrika, organisiert in Netzwerken und Lobbys, die zwei Einkünfte („Renten“) an sich reißen: Rohstoffe und öffentliche Entwicklungshilfe. Die Logik dieses Vorgehens ist es, jede Initiative außerhalb eines Kreises von Eingeweihten zu verbieten. Das System baut sich selbst ab und wird in der Kriminalisierung recycelt. Es ist natürlicherweise demokratiefeindlich. ”

Er verfolgt die Ursprünge dieses Nebels bis 1960 , als De Gaulle den Kolonien Schwarzafrikas die Unabhängigkeit gewährt und den “Plan Foccart“ ins Leben ruft.

Gründe [Bearbeiten]

Die Einrichtung dieses Systems soll mehrere Arten von Gründen gehabt haben:
* Die sichere Stellung des französischen Staates auf internationaler Ebene, dank einer “Einflusssphäre” im frankophonen Afrika, die eine beträchtliche Anzahl von Stimmen in den UN gewährleistet.
* Einen privilegierten Zugang zu den in der Region sehr zahlreich vorhandenen strategischen Rohstoffen, die “Ausbeutung der Renten.”
* Die Korruption und die Unterschlagung der öffentlichen Entwicklungshilfe zugunsten verschiedener Mittelspersonen, französischer und afrikanischer Politiker und der großen französischen politischen Parteien, mit ihrem Gegenstück: den strafbaren oder kriminellen Handelsbeziehungen.
* Die Rolle des französischen Staates während des Kalten Krieges , Zuspieler der Vereinigten Staaten in Afrika.
* Die Verteidigung der Frankophonie , mit dem Wunsch, der wachsenden Vorherrschaft der angelsächsischen Kultur in der Welt zu begegnen.
* Die Fortsetzung der “großen arabischen Politik” des französischen Staates.
* Korporatismus und die gegenseitige Verteidigung von Interessen innerhalb der Netzwerke.

Methoden der Françafrique [Bearbeiten]


Nach der These von Verschave sind eine große Mehrheit der afrikanischen Präsidenten und Diktatoren der ehemaligen französischen Kolonien eingesetzt, unterstützt und geschützt worden durch den französischen Staat. Er zitiert in diesem Zusammenhang Omar Bongo (Gabun), Gnassingbé Eyadéma (Togo), Paul Biya (Kamerun), Denis Sassou-Nguesso (Kongo), Blaise Compaore (Burkina Faso) und Idriss Déby (Tschad).

Man bemerkt Untätigkeit angesichts von Kriegen auf ethnischer Grundlage, wie die Ausrottung der Tutsi in Ruanda, oder auch deren Ermutigung.

Thesen des Buches [Bearbeiten]

Jedes Kapitel des Buches nennt diese geheimen Vereinbarungen, diese “schmutzigen Tricks”, diese Manipulationen von mehreren Personen nahe den Mafia-Kreisen, der FN , den Freimaurern, angezettelt gegen die Demokratie und politischen Oppositionellen in mehreren afrikanischen Ländern. Das Buch ist voll von historischen Beispielen, immer mit Quellenverweisen.

Französisch-afrikanische Netzwerke/ Netzwerke der Françafrique [Bearbeiten]

Laut François-Xavier Verschave ist Françafrique durch zahlreiche einflussreiche Netzwerke mit unterschiedlichen Motivationen geprägt.

Netzwerke im Bereich der politischen Affairisten
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Das wichtigste unter ihnen soll das Netzwerk Foccart sein, unter dem Namen des Urhebers dieses Systems, verantwortlich für die Zelle Afrika des Elysée (Ed.: „cellule Afrique“, eine Art afrikanisches Kabinett, direkte Berater des französischen Präsidenten, ansässig Élysée-Straße 2) unter De Gaulle , und führender Akteur in den französisch-afrikanischen Beziehungen bis zu seinem Tod im Jahr 1997. Sein Einfluss soll in den 1980er Jahren zugunsten der neo-gaullistischen Netzwerke von Charles Pasqua und der Netzwerke von Mitterrand zurückgegangen sein. Jacques Chirac soll der Erbe dieses Netzwerks sein.

In Ländern des frankophonen Afrika, die damals in den frühen 1960er Jahren gerade unabhängig wurden, hat Jacques Foccart sich darum gekümmert, “befreundete“ Führungskräfte einzusetzen. Demokratische Bewegungen jenseits der Einflusssphäre des französischen Staates wurden systematisch mit wirtschaftlichen, diplomatischen und militärischen Mitteln bekämpft, einschließlich der Förderung von Kriegen, Morden und Wahlbetrug.

Große Unternehmen [Bearbeiten]

Die Aufrechterhaltung des Systems Françafrique soll einigen Unternehmen weiterhin die wirtschaftliche Vorherrschaft im frankophonen Afrika erlauben, obwohl das jetzt durch neue Akteure infrage gestellt wird (USA, China). Das deutlichste Beispiel ist das des Ölkonzerns Elf, der die Politik des französischen Staates in Gabun, Kamerun, Nigeria, Kongo-Brazzaville und Angola “gemacht” haben soll, und sogar für Ausbruch oder Fortsetzung von Bürgerkriegen in diesen drei Ländern verantwortlich gewesen sein soll.

Die eine Monopolstellung in einigen Sektoren einiger Ländern innehabenden Unternehmen, Bouygues (öffentliche Dienste) und Bolloré (Transport, Logistik) sind auch stigmatisiert. Die hegemoniale Stellung dieser Unternehmen, die unter anderem beschuldigt wurden, von einem Teil der öffentlichen Entwicklungshilfe zu profitieren, erklärt sich durch die abgekarteten Absprachen mit einigen der Staats- und Regierungschefs.

Militär und Geheimdienste [Bearbeiten]

Ihren Kritikern zufolge ist die französische militärische Präsenz untrennbar mit dem System Françafrique verbunden, durch die Verteidigungsabkommen und die Abkommen zur militärischen Zusammenarbeit. Diese erlauben Frankreich eine dominierende Rolle zu behalten, indem nationale Truppen durch französische Offiziere ausgebildet oder bewaffnete Interventionen in Fällen von externen oder internen Bedrohungen durchgeführt werden. Die französischen Militärbasen sind daher die Säulen von Françafrique in Ländern wie Senegal, Gabun, Tschad und der Elfenbeinküste.

Die Geheimdienste ( DGSE – der französische Auslandsnachrichtendienst, DST – der zivile Inlandsnachrichtendienst ) werden ebenfalls als wichtige Elemente dieser Netzwerke bezeichnet, durch ihre intensive Zusammenarbeit mit den Diensten mehrerer afrikanischer Länder, die nicht unbedingt französisch sprechen (Angola oder Sudan, zum Beispiel).

Der schwerwiegendste Vorwurf ist jedoch der Einsatz von Söldnergruppen, wenn die Geheimdienste oder die Netzwerke der politischen Affairisten nicht im Lichte der Öffentlichkeit agieren wollen. Diese Praxis soll besonders gängig unter der Ägide von Jacques Foccart gewesen sein. Dem französischen Staat wird von Verschave vorgeworfen, er entlohne Söldner (wie Bob Denard), oder Unternehmen (wie das von Paul Barril), die sich in dieser Art der Dienstleistung während Bürgerkriegen oder Staatsstreichen spezialisiert haben.

Veränderungen der Françafrique [Bearbeiten]

Der Autor argumentiert, dass die französisch-afrikanischen Beziehungen sich langsam entwickeln. Obwohl nach dem Fall der Berliner Mauer neue demokratische Anforderungen in vielen afrikanischen Ländern auftauchen. Verschave notiert, dass François Mitterrand die öffentliche Entwicklungshilfe an den Beginn eines Demokratisierungsprozesses knüpft, in einer Rede in La Baule (1990) vorgeschlagen. Doch nach Verschave soll der französische Staat auch ein System von massiven Wahlfälschungen unterstützt haben, was das Festhalten an Diktatoren ermöglichte, die trotz manipulierter Wahlen heute als “Demokraten” gelten.

Verheerende Folgen für die Entwicklung [Bearbeiten]

Nach Verschave verhindert dieses System andererseits die Entwicklung dieser Länder. Gedrängt durch den französischen Staat haben diese Länder Rentenwirtschaften entwickelt, basierend auf Raubbau an den Rohstoffreichtümern. Die Diktator-Präsidenten sollen somit kein Interesse an der Entwicklung ihres Landes haben. Die wirtschaftliche Entwicklung birgt Risiken, weil sie die Entstehung von neuen Klassen von Arbeitern und Unternehmern ermöglicht, die automatisch die Nutzung der öffentlichen Gelder kritisieren. Das Klientelsystem hielte sich nur, weil die Bevölkerung außer der Abhängigkeit vom Staat keine Wahl habe. Wenn darüber hinaus ein bedeutender Teil der öffentlichen Entwicklungshilfe zugunsten der Netzwerke der Françafrique und der Diktatoren veruntreut würde, würde die Entwicklung praktisch unmöglich.

Die Entstehung des Schuldenproblems in den späten 1970er Jahren beruhte auf den gleichen Mechanismen. Ein Land erhält Anleihen im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit. Aber in einem System der Hortung von Geldern kann die Anleihe nicht produktiv sein, und sie wird massiv unterschlagen werden. Unter diesen Bedingungen bereichert sich der Diktator-Präsident, und sein Land verschuldet sich mit der Unterstützung des französischen Staates, der dann bis zum Dreifachen seines Einsatzes einstreicht.

Die Entwicklung des Konzepts [Bearbeiten]

Die wörtliche Aufnahme, Françafrique anstatt Frankreich-Afrika, vom dem von François-Xavier Verschave entwickelten Konzept der Beziehungen zwischen dem französischen und den afrikanischen Staaten, ohne sich jedoch auf ihren Urheber berufen zu wollen, zeigt, dass dieser Ausdruck in Anspruch genommen wird, um mehrere Möglichkeiten auszudrücken, mit denen die Beziehungen zwischen dem französischen Staat und seinen afrikanischen Kollegen interpretiert werden. Diese verschiedenen Interpretationen provozieren Debatten und Kontroversen.

Das Buch verursachte einen großen Aufruhr in der aktuellen Anti-Globalisierungs-Politik. Es ist eine Referenz, mit der die Politik des französischen Staates auf dem afrikanischen Kontinent angeprangert werden kann. Der Verein Survie ist ein Teil des Kollegiums der Gründer von Attac [1] und sein Ex-Präsident François-Xavier Verschave war eine Figur der Bewegung. Sein Buch war das Thema vieler Debatten und Konferenzen in den lokalen Anti-Globalisierungs-Gruppen [2], [3], die eine nicht unerhebliche Rolle bei der Verbreitung dieses Werks hatten. François-Xavier Verschave hat auch Texte auf der Website der Globalisierungsgegner ATTAC veröffentlicht [4].

Der ivorische Sänger Tiken Jah Fakoly hat nach seinem Treffen mit François-Xavier Verschave im Jahr 2002 ein Album mit dem Titel “Françafrique” herausgebracht, in dem auch er die Haltung des französischen Staates in Afrika anprangert.

ENDE.

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